Marktkommentar

Die Ölriesen sind unschuldig

Das deutsche Autofahrer-Volk ist empört. Tanken ist so teuer wie nie. Im Februar kostete ein Liter Super E10 im Monatsschnitt 1,587 Euro und damit 5,1 Cent mehr als im Januar. An einigen Tankstellen kostete die teuerste Spritsorte bereits fast 1,80 Euro. Schuld ist der Ölpreis.

Der liegt derzeit bei mehr als 125 Dollar je Barrel. Das ist zwar kein Rekordhoch. 2008 kostete das Fass sogar 144 Dollar. Doch damals war der Euro 1,57 Dollar wert, was den Spritpreisanstieg hierzulande abmilderte. Heute liegt der Wechselkurs bei 1,33 Dollar für den Euro. Der hohe Ölpreis schlägt also viel stärker durch.

Bleibt noch das Feindbild Ölkonzern. Passenderweise haben die Branchengrößen Exxon, Shell oder auch BP vor wenigen Wochen allesamt zweistellige Milliardengewinne vermeldet. Womöglich auf Kosten der deutschen Autofahrer? Nein. Es wäre Unsinn, die Konzerne jetzt für den Preisschock verantwortlich zu machen. Denn zum einen verdienen sie mit dem Tankstellengeschäft noch am wenigsten. Die höchsten Gewinne werden mit der klassischen Ölförderung erzielt. Außerdem wäre es naiv, von börsennotierten Gesellschaften zu verlangen, die höheren Kosten doch bitte nicht im vollen Maße an den Kunden weiterzugeben.

Der einzige Weg zu nachhaltig niedrigeren Spritpreisen führt stattdessen über das Aufrechen des Tankstellen-Oligopols. Doch an der Marktmacht der größten Mineralölkonzerne beißen sich die Kartellwächter seit Jahren die Zähne aus. Hält diese Ohnmacht an, müssen wir uns an weitere Spritpreisschocks gewöhnen.