Fazit

Insolvenzverwalter von Lehman: Banker nicht aus Krise gelernt

Nach Ansicht des Insolvenzverwalters von Lehman Brothers haben Investmentbanker nicht genug aus der Finanzkrise gelernt.

"Ich erkenne gewisse Veränderungen in den Banken, etwa beim Risikomanagement. Aber die Philosophie hat sich nicht geändert, zumindest nicht an der Wall Street", sagte Bryan Marsal, Co-Chef der Beratungsfirma Alvarez & Marsal, der Berliner Morgenpost. "Jeder ist bereit, hohe Risiken einzugehen, sobald man die Chance sieht, damit ein wenig mehr Geld zu verdienen als die Konkurrenz oder den Bonus zu steigern."

Die Investmentbank Lehman Brothers musste am 15. September 2008 Insolvenz anmelden. Die Ursachen der Lehman-Pleite seien von der Politik richtig identifiziert worden, sagte Marsal. "Das Risikomanagement war zu schlecht, und die Finanzierung der Bank zu unsolide." Allerdings seien viele der Maßnahmen, die künftige Schieflagen verhindern sollen, bislang wenig wirksam. "Die Vorgaben für ein besseres Risikomanagement bleiben beispielsweise ziemlich vage."

Derzeit berät Alvarez & Marsal auch mehrere Krisenstaaten der Euro-Zone, darunter auch Griechenland. "In der Bankenkrise hat Europa die Talsohle bereits durchschritten - aber beim Thema Staatsschulden könnte das Schlimmste erst noch bevorstehen", warnte Marsal. Sein Partner Tony Alvarez hält es noch nicht für aussichtslos, eine Pleite Griechenlands abzuwenden. "Sollte es doch zur Insolvenz kommen, dann sollten Griechenland und die EU alles dafür tun, dass sie geordnet abläuft, um den Schaden zu begrenzen", sagte Alvarez. Das sei die Lehre aus dem Fall Lehman.