Preisentwicklung

Deutschlands Autofahrer zahlen kräftig für die Finanzkrise

Die Kältewelle ist vorüber, die Autofahrer könnten aufatmen. Denn wenn es milder wird, lässt üblicherweise die Nachfrage nach Heizöl nach. Das wiederum sollte die Spritpreise drücken - könnte man meinen. Denn weniger Nachfrage bedeutet normalerweise sinkende Preise. Doch das ist ein Trugschluss.

Die Kältewelle hat zwar sicher dazu beigetragen, dass Benzin und Heizöl derzeit so teuer sind wie selten zuvor. Hauptursache war sie jedoch nicht. Der Grund liegt vielmehr an den internationalen Rohstoffmärkten. Und die werden nicht von der Kälte, sondern vom billigen Geld der Notenbanken getrieben, mit dem die der Finanzkrise Herr werden wollen. Ob das gelingt, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass die Autofahrer dafür nun die Zeche zahlen.

1,62 Euro kostet der Liter Super derzeit im Durchschnitt, Heizöl liegt bei rund 95 Cent pro Liter. Das entspricht fast dem Rekordhoch vom Juli 2008. Seither waren alle davon ausgegangen, dass die Preise hoch bleiben würden. Doch das war ein Irrtum. An den Rohstoffmärkten notiert das Fass (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent bei über 91 Euro. Das Allzeithoch lag am 3. Juli 2008 bei 93,45 Euro. Im Gegensatz zu 2008 sinkt nun die Nachfrage. Vor allem Amerikaner und Europäer kaufen weniger Öl, da ihre Konjunktur lahmt. Eigentlich müsste der Rohölpreis also sinken. Er tut es aber nicht. Und der Grund dafür liegt in Frankfurt, in der Europäischen Zentralbank. "Die super-laxe Geldpolitik der wichtigsten Industriestaaten trägt zur Rohstoffinflation bei", stellt Spyros Andreopoulos, Volkswirt bei Morgan Stanley, fest.

So hat die EZB am 21. Dezember die Finanzmärkte mit Geld geflutet. Sie vergab fast 500 Milliarden Euro an Banken zu einem Zinssatz von einem Prozent. Billiges Geld, das diese nun gewinnbringend anlegen wollen. Was läge näher, als damit auf steigende Ölpreise zu setzen? Genau das tun die Banken, Hedgefonds und sonstige Spekulanten. Das ist leicht am Terminmarkt abzulesen. Dort überwiegen derzeit die Kontrakte, die auf steigende Brent-Preise spekulieren, in einem Ausmaß wie selten zuvor. Das treibt die Preise in neue Höhen.

Noch Mitte Dezember, vor der EZB-Aktion, lag der Brent-Ölpreis unter 80 Euro, seither hat er 15 Prozent zugelegt. Hinzu kommt, dass gleichzeitig der Euro-Kurs in den vergangenen Monaten deutlich gesunken ist. Beim Rekord-Ölpreis vom Juli 2008 lag er knapp unter 1,60 Dollar, derzeit nur noch bei rund 1,30 Dollar. So kommt es, dass der Rohölpreis in Dollar gerechnet zwar noch vom Allzeithoch entfernt ist. In Euro hat er es aber fast schon erreicht, und für Deutschlands Verbraucher zählt nur der Preis in Euro.

Hinzu kommt, dass nicht nur die EZB, sondern auch andere Notenbanken wie wild Geld drucken. Das Ziel: damit die Finanzkrise bekämpfen, die in Schieflage geratenen Banken und Staaten vor der Pleite retten. Der Nebeneffekt ist jedoch, dass dadurch der Ölpreis inflationiert wird. Damit zahlen die Autofahrer und alle, die im Winter nicht im Kalten sitzen wollen, die Zeche für die Finanzkrise.

Ironischerweise könnte aber genau deshalb der Versuch ins Leere laufen, die strauchelnden Staaten zu retten. Die wirtschaftlich schwachen Länder in Europa haben seit Jahren ein Handelsbilanzdefizit, das zu 80 Prozent aus den Ölimporten herrührt. Steigt deren Preis nur um zehn Prozent, so nimmt das Handelsbilanzdefizit von Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und Griechenland um rund 16 Milliarden Euro zu, wie die Analysten von Bank of America/Merrill Lynch ausgerechnet haben. Das müssen sie ausgleichen, beispielsweise über höhere Kredite, was wiederum zu einer Herabstufung durch die Ratingagenturen führen und somit die Schuldenkrise noch verschlimmern könnte. Die Reaktion der EZB wäre dann wohl: noch mehr Geld drucken - ein Teufelskreis. Daher werden die Ölpreise und damit die Kosten für Benzin und Heizöl weiter steigen.