Hilfspaket

Milliarden für Athen zum Greifen nah

Griechenland wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sein zweites Kreditpaket von Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU erhalten.

Die dafür notwendige Schuldentragfähigkeitsanalyse der Troika-Beobachtermission aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank (EZB) solle zwar erst im Laufe der kommenden Woche vorgelegt werden, hieß es in Verhandlungskreisen. Allerdings zeichne sich ab, dass die Griechen mittlerweile einen Großteil der gestellten Bedingungen erfüllen würden. "Der Schuldenstand wird mit den neuen Maßnahmen und nach dem Schuldenschnitt bei den privaten Gläubigern Athens bei rund 125 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 liegen", hieß es weiter. Das ist nur wenig höher als die Schuldenquote von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung, die laut offizieller Darstellung von EU, EZB und IWF für Griechenland mittel- und langfristig tragfähig sein soll. Stellt der IWF keine Schuldentragfähigkeit fest, darf seinen eigenen Regeln zufolge der IWF kein Geld mehr an Athen auszahlen. Auch die Euroländer und die EZB sind gemäß ihrer Absprache vom Mai 2010 an diese Vorgabe der Washingtoner Spezialisten gebunden. Gleichzeitig dementierten Verhandlungskreise Berichte, wonach das neue Rettungspaket deutlich größer werden müsse als seit Oktober 2011 geplant. Diese ursprünglichen Absprachen sehen vor, dass EU und IWF dem angeschlagenen Land im Süden bis 2014 Finanzhilfen im Volumen von weiteren 130 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Seitdem mahnte der IWF indes mehr Geld an.Bevor es das Geld gibt, sollen aber zunächst einmal die privaten Gläubiger Griechenlands zur Kasse gebeten werden. Banken, Fonds, Versicherungen und private Anleger sollen auf 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten - insgesamt rund 100 Milliarden Euro. Dieser Schuldenschnitt gilt als eine der Voraussetzungen für die Auszahlung des neuen Hilfspakets.

Bis zum Montag müssen die Experten der Troika und Griechenland noch weitere Reformen vereinbaren, die das Land als Gegenleistung für die Finanzhilfen erbringen muss.

Gleichzeitig beginnt am Montag dem Vernehmen nach auch die Angebotsfrist für den Schuldenschnitt. Die Griechen werden ihre privaten Gläubiger darüber informieren, dass sie ab jetzt ihre alten in neue Anleihen umtauschen können. Die dürften nur noch 50 Prozent des ursprünglichen Ausgabewerts der alten Papiere haben, über bis zu 30 Jahre laufen und eine sehr niedrige Verzinsung von gut drei Prozent bieten. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen müssen sich die Anleger innerhalb von zwei Wochen überlegen, ob sie das Angebot annehmen. Schon jetzt gehen Beobachter davon aus, dass zu wenige Bond-Besitzer sich an dem Schuldenschnitt beteiligen. Deshalb gilt es als wahrscheinlich, dass die Griechen rückwirkend Umschuldungsklauseln einführen, um widerspenstige Anleihebesitzer zum Tausch zu zwingen.

Die nationalen Notenbanken im Euro-System allerdings entziehen sich unter Führung der EZB dem Schuldenschnitt. Bereits jetzt tauschen sie ihre Griechen-Bonds im Volumen rund 50 Milliarden Euro gegen Anleihen mit neuer Wertpapierkennnummer, die nicht von der Umschuldung betroffen sein werden. Die EZB entgehe so einem zweistelligen Milliardenverlust, heißt es. Sie sei nicht betroffen, wenn Griechenland alle anderen Schuldtitel mit Umschuldungsklauseln belegen sollte.

Zuletzt gab es immer lautere Forderungen, auch die Europäische Zentralbank solle sich an einem Schuldenschnitt beteiligen, damit der griechische Schuldenberg weiter abgetragen werden könne.