Marktbericht

Schon zu viel Zeit vergeudet

Wer in den vergangenen Tagen den Äußerungen aus Berlin gelauscht hat, kann so gut wie sicher sein: Griechenland bekommt sein zweites Hilfspaket. Unmissverständlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel klar gemacht, dass sie kein Interesse daran hat, die maroden Brüder aus der Euro-Zone zu verbannen.

Damit ist so gut wie sicher, dass Athen die versprochenen 130 Milliarden Euro von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) bekommt. Dass die Notenbanken im Euro-System bereits die alten Griechen-Anleihen in ihrem Besitz gegen Papiere tauschen, die nicht am geplanten Schuldenschnitt teilnehmen, ist ein weiteres Signal dafür. Denn dieser Schritt ist Voraussetzung für die Umschuldung, die wiederum als Vorbedingung für die Auszahlung der EU-Hilfen gilt. Doch die neuen Milliarden, die nach Athen gepumpt werden, retten das Land nicht. Auch in Deutschland geben sich nur wenige Politiker diesem Glauben hin. Wie schon bei den früheren Finanztransfers in den Süden geht es den Geberländern vor allem um den Kauf von Zeit.

Man wüsste nur gern wofür, denn darüber halten sich die Politiker bedeckt. Weil den Griechen die Kraft für die nötigen Reformen fehlt, wird es innerhalb des Euro-Systems kein wettbewerbsfähiger Partner werden können. Es muss daher raus aus dem Währungsraum. Vielleicht gesundet es dann mit europäischer Hilfe eher. Deutschland und die EU sollten die nötigen Weichen stellen, damit diese Trennung nicht den großen Rest der Euro-Zone zerreißt. Viel zu viel Zeit wurde schon vergeudet.