Milliarden-Verluste erwartet

Japans Elektronik-Giganten wanken

Um die japanische Elektronik-Industrie ist es nicht gut bestellt, es häufen sich die negativen Nachrichten. Nach Sony rechnet auch Panasonic mit einem hohen Verlust. Schuld daran sind nicht nur die Produktionsausfälle infolge der Tsunami-Katastrophe und der starke Yen, der Exporte erschwert.

Die Probleme sind auch hausgemacht. Außerdem gibt es mit Samsung einen geradezu übermächtigen Konkurrenten. Panasonic rechnet mit einem Minus des im März ablaufenden Geschäftsjahres von fast acht Milliarden Euro. Von Oktober bis Dezember erwirtschaftete der Konzern ein Minus von fast zwei Mrd. Euro, im Quartal ein Jahr zuvor stand noch ein Plus in den Büchern. Doch Abschreibungen wegen der Übernahme von Sanyo sowie Kosten für den Abbau von 17 000 Arbeitsplätzen verhagelten die Bilanz. Eine Konsequenz hat der Konzern bereits gezogen: Panasonic will sich künftig stärker auf Energie- und Umwelttechnik und nicht nur auf Unterhaltungselektronik konzentrieren.

Bei der Konkurrenz aus dem eigenen Land sieht es nicht besser aus: Sharp, Hitachi und Toshiba konnten nur rote Zahlen vermelden. Auch Sony musste erneut Verluste hinnehmen, das vierte Jahr in Folge. Im letzten Quartal 2011 gab es einen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Euro, bis Ende des Geschäftsjahres werden es wohl 2,2 Milliarden Euro sein.

Sony war einmal der Trendsetter der Branche. Vor allem in den 80er- und 90er-Jahren eilten die Japaner von Erfolg zu Erfolg. Damit ist es seit vielen Jahren vorbei, der Konzern gehört nicht mehr zu den großen Innovatoren der Unterhaltungselektronik, er hat sogar seinen Fokus verschoben und ihn verstärkt auf Mobilfunk und Medizintechnik gelegt. Damit überlassen die japanischen Konzerne große Bereiche Samsung - neben Apple dem Konzern, der seit vielen Monaten mit seinen Produkten die Marschrichtung vorgibt. Und wohl mehr als elf Milliarden Euro Gewinn im Geschäftsjahr machen wird. Samsung hat die Kasse gut gefüllt und will dieses Jahr mehr als 30 Milliarden Euro investieren sowie 26 000 neue Mitarbeiter einstellen.

Samsung zeigte sich schon bisher innovativer als die Konkurrenz und dominierte zum Beispiel die bedeutende Elektronikmesse CES Anfang Januar in Las Vegas mit seinen Neuheiten bei Fernsehern, Smartphones und Speicherchips. Der Konzern kann aus dem Stand TV-Geräte, internetfähige Handys und Tablets miteinander vernetzen. Die Technik dafür kommt aus dem eigenen Haus. Außerdem sind die Koreaner die Nummer zwei auf dem Halbleiter- und größer Anbieter auf dem Speicherchip-Markt. Vor allem in diesen Segmenten fährt Samsung Gewinne ein. Das allerdings birgt auch Gefahren. Investitionen in die Fertigung von Halbleitern sind extrem hoch, die Nachfrage ist schwankend. Das derzeit lukrative Geschäft mit Chips ist kaum auf längere Sicht kalkulierbar.

Sorgenkind bleibt das TV-Geschäft, in dem selbst Samsung Verluste einfährt. Das Problem betrifft jedoch die gesamte Branche, die japanischen Konzerne wiederum besonders hart. Sie haben in den vergangenen zehn Jahren viele Milliarden in die Herstellung von Fernsehdisplays investiert. Gelohnt hat es sich aber kaum. Zumal immer mehr Hersteller auf den Markt drängten und es zu heftigen Preiskämpfen kam, vor allem mit den koreanischen Konkurrenten LG und Samsung. Gleichzeitig schwächelte auch noch weltweit die Konjunktur, und die Absatzzahlen gingen weiter zurück.