Schuldenschnitt

Rösler will Beamte nach Griechenland schicken

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat angeregt, deutsche Beamte als Aufbauhelfer nach Griechenland zu entsenden.

"Ich könnte mir vorstellen, Beamte aus Deutschland nach Griechenland zu schicken, die bei der Reform der Verwaltung helfen", sagte Rösler der "Rheinischen Post". Die Bundesregierung arbeite eng mit der Europäischen Task-Force für Griechenland zusammen. "Gerade bei den Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Genehmigungsverfahren und Mittelstandsstärkung, können wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum geschaffen werden", sagte Rösler. Trotz der Schuldenkrise müsse Griechenland Mitglied der Euro-Zone bleiben.

Unterdessen stocken die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland. Der Unterhändler der Banken reiste zwar am Samstag aus Athen ab. Er bleibe aber mit der Regierung in Athen telefonisch in ständigem Kontakt, sagte Charles Dallara, der Direktor des Internationalen Bankenverbandes (IIF). Die griechische Regierung hatte am Sonnabend mitgeteilt, dass die Verhandlungen zunächst abgebrochen worden seien.

Über den genauen Stand und verbleibende Streitpunkte gab es keine offiziellen Informationen. Dem Vernehmen nach hatte die griechische Seite am Freitag eine Vereinbarung mit dem Bankenverband erreicht. Die neuen griechischen Staatsanleihen, welche die alten nach dem Schuldenschnitt ersetzen sollen, sollten demnach einen Zinssatz von im Durchschnitt vier Prozent haben. Dann aber sollen sich Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU indirekt in die Gespräche eingeschaltet haben. Dabei hätten sie darauf bestanden, dass der Zinssatz auf weniger als drei Prozent fallen sollte. Anderenfalls bestehe vor allem nach Ansicht des IWF nach keine Möglichkeit, dass Griechenland wieder auf eigenen Beinen stehen kann.

Unabhängig von Details wird der angestrebte Schuldenschnitt Europa nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch auf lange Sicht teuer zu stehen kommen. "Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt - und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren."

Ziel des Schuldenschnitts ist es, Griechenland um 100 Milliarden Euro zu entlasten. Das Land sitzt auf einem Schuldenberg von rund 352 Milliarden Euro. Das entspricht 161 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Erlaubt sind nach den EU-Spielregeln allenfalls 60 Prozent. 206 Milliarden Euro befinden sich in den Händen von Privatleuten, Banken, Versicherungen und Hedge Fonds.