Insolvenz

Rettung von Schlecker wird Mammutaufgabe

Nach der angekündigten Insolvenz von Deutschlands größter Drogeriekette Schlecker gehen die Spekulationen über die Zukunft des Familienunternehmens weiter. Konkurrent Rossmann habe nur an 50 bis 80 Schlecker-Märkten Interesse, sagte Unternehmenschef Dirk Roßmann dem Magazin "Focus".

"Ich wage die Prophezeiung, dass der Insolvenzverwalter nicht viele Läden wird weiter betreiben können", erklärte Roßmann weiter. Die allermeisten der noch rund 7000 Märkte in Deutschland müssten schließen, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien. Geschäfte in guten Lagen befänden sich vor allem in Bahnhöfen und würden häufig von der Schlecker-Tochter Ihr Platz betrieben. "Die Wettbewerber Rossmann, dm und Müller sind dieser Kette schon vor Jahren meilenweit enteilt", sagte Roßmann.

Die Gewerkschaft Ver.di hat unterdessen gefordert, dass Firmenpatriarch Anton Schlecker zur Sanierung seiner Drogeriekette sein Privatvermögen einsetzt. "Er muss sich auf jeden Fall mit seinem eigenen Vermögen beteiligen", sagte eine Sprecherin am Sonnabend. Das beläuft sich nach Schätzungen auf rund drei Milliarden Euro. Ein solcher Schritt sei auch ein Signal an potenzielle Geldgeber, sagte die Gewerkschaftssprecherin. Schlecker müsse in der Sache "klar und offen" kommunizieren, forderte sie weiter.

Laut Umfragen bei Verbrauchern ist Schlecker schon seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Aktuell lägen die Imagewerte mit minus 37,8 Punkten "dramatisch unter" den Marken Rossmann (plus 79,4) und dm (88,3), heißt es in einer Markenstudie des Meinungsforschungsinstituts YouGov: "Auch die neue Strategie des Unternehmens hat nicht zu einer Trendwende geführt - die Lage ist aus Markensicht seit längerer Zeit ernst."

Konzept nicht tragfähig

Auch wirtschaftlich könne Schlecker nicht mit der Konkurrenz mithalten, urteilt Unternehmer Roßmann. Mit einem monatlichen Umsatz von im Durchschnitt 20 000 Euro pro Markt wie bei Schlecker könne man auf Dauer kein erfolgreiches Drogeriemarkt-Konzept betreiben. "Rossmann und dm kommen monatlich im Schnitt auf Erlöse von 300 000 Euro."

Das Familienunternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, dass Deutschlands größte Drogeriekette zahlungsunfähig ist, und eine Planinsolvenz angekündigt. Dieses Verfahren ist in der Insolvenzordnung ausdrücklich vorgesehen, wenn es darum gehen soll, ein Unternehmen möglichst zu erhalten. Der Insolvenzantrag werde "kurzfristig" eingereicht. Das könne Montag oder Dienstag sein, sagte ein Unternehmenssprecher am Sonnabend. Schlecker will große Teile des schrumpfenden Filialnetzes erhalten - und damit auch viele der etwa 30 000 Jobs in Deutschland.

Als Grund für die Schieflage gab das Unternehmen eine geplatzte Zwischenfinanzierung an, ohne ins Detail zu gehen. Ausschlaggebend war nach Informationen der "Südwest Presse" eine Rückstufung Schleckers: Ein großer deutscher Rückversicherer, über den der Einkaufsverband Markant seine Bestellungen absichert, habe wohl das Schlecker zugestandene Volumen drastisch reduziert. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, Schlecker habe am Freitag einen fälligen Betrag zwischen 20 und 30 Millionen Euro nicht mehr bezahlen können. "Weil die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Branchenkreisen bekannt waren, war die Zahlung in bar oder als Bundesbankscheck eingefordert worden."

Dem Bericht zufolge soll der nächste Termin für eine ähnliche Zahlung an die Einkaufsgemeinschaft Markant, der auch Firmen wie Edeka angehören, schon in der nächsten Woche anstehen. Der Schlecker-Sprecher wollte die Berichte nicht kommentieren: "Wir werden keine Aussagen zu unseren Gläubigern machen." Um wie viele es geht, ließ er offen.