Sicherheiten

Finanzielle Risiken der EZB größer als bekannt

Die finanziellen Risiken der Europäischen Zentralbank (EZB) sind deutlich höher, als angenommen wird.

Offiziell hat die Zentralbank Staatsanleihen mit einem Volumen von 212 Mrd. aufgekauft. Sie stützt damit die Euro-Krisenstaaten Griechenland, Portugal, Italien, Spanien und Irland. Doch faktisch hat die EZB nach Recherchen der Berliner Morgenpost den Staaten weitaus mehr Geld geliehen - und zwar über eine Finanzierung der dortigen Banken. Im Falle von Staatspleiten könnte der Notenbank ein zusätzlicher Ausfall von hinterlegten Sicherheiten im dreistelligen Milliardenbereich drohen.

Grund dafür sind staatlich garantierte Bankanleihen, die die Notenbank von Finanzhäusern als Sicherheit für die Ausgabe von Liquidität akzeptiert. Nach Informationen der Morgenpost haben Banken in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland solche staatsgarantierten Anleihen in einem Volumen von 208,7 Mrd. Euro aufgelegt, die nur mit einer Garantie ihrer wackeligen Heimatländer besichert sind. Welcher Anteil dieser Anleihen als Sicherheit beim Euro-System hinterlegt wurde, wird von der EZB nicht veröffentlicht. Da viele Banken in den Peripheriestaaten einen Engpass an Sicherheiten haben, haben sie jedoch rege von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, wie Notenbanker bestätigten.

Italienische Banken allein haben seit dem 20. Dezember 2011 Anleihen im Wert von mindestens 50 Mrd. Euro emittiert. Die Papiere sind nur zur Einreichung bei der EZB aufgelegt worden. Denn sie haben kein Rating - was für den Verkauf an private Investoren nötig wäre. Griechische Banken haben staatlich garantierte Anleihen im Wert von 50,9 Mrd. Euro aufgelegt, die Spaniens in Höhe von 67,3 Mrd. Euro. Im Falle Portugals sind es zwölf Mrd. Euro.

Spanische Banken nutzten Finanzkreisen zufolge kaum die Möglichkeit, diese Anleihen bei der EZB einzureichen. Neben den 50 Mrd. Euro aus Italien bleiben dann rund 92 Mrd. Euro, die Banken aus Griechenland, Irland und Portugal bei der EZB hinterlegt haben könnten. Insgesamt könnten daher staatlich garantierte Anleihen im dreistelligen Milliardenbereich bei der Notenbank liegen. Die EZB wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

In Notenbankkreisen betonte man jedoch, die Zentralbank habe das Thema im Blick und könne jederzeit Grenzen für die Einreichung der Papiere setzen. Wann und wie diese Regelungen zur Anwendung kommen, wollte die EZB ebenfalls nicht kommentieren.

Jörg Rocholl, Wirtschaftsprofessor und Interimspräsident an der privaten Wirtschaftshochschule ESMT, sagte, die EZB sei "in der Krise hohe Kreditrisiken eingegangen, um Banken über Wasser zu halten. Die Möglichkeit, staatlich garantierte Bankanleihen einzureichen, ist die Fortsetzung dieser Politik."