Markt in Amerika erholt sich

Autobauer vertrauen wieder auf die USA

Es würde ein Schaulaufen der Deutschen und Amerikaner werden in Detroit, das war klar - bis zum Ende dieser Woche. Die Hersteller beider Länder werden auf der North American International Auto Show (NAIAS), der traditionell ersten der weltweit vier wichtigen Auto-Messen im Jahr, nicht nur mit neuen Modellen glänzen, sondern mit unglaublichen Absatzzahlen.

Daimler, BMW, Volkswagen, Audi und Porsche verbuchten 2011 Rekordverkäufe, die drei US-Autobauer zumindest auf dem Heimatmarkt Zuwächse von zehn Prozent und mehr.

Trotz schwelender Schulden- und Eurokrise sind die Topmanager der Branche für das laufende Jahr zwar insgesamt optimistisch. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin beispielsweise rechnet damit - eine weitgehende Stabilität der Finanzmärkte vorausgesetzt - dass der weltweite Absatz von Pkw nach dem ohnehin guten abgelaufenen Jahr auch 2012 weiter wachsen wird. Ein Plus von sechs Prozent auf 65,4 Mio. Einheiten erwartet der Verband.

Nur: Was die bislang entscheidenden Märkte angeht, müssen die deutschen Autobauer ihre Erwartungen spürbar runterfahren. China wird nicht mehr der Wachstumstreiber wie in den vergangenen Jahren sein. Und in Westeuropa ist mit Stagnation zu rechnen. Im günstigsten Fall. "Für die EU gehen wir 2012 allenfalls von einer Seitwärtsbewegung aus. In Asien erwarten wir Zuwächse, für die USA ein deutliches Wachstum, mindestens im hohen einstelligen Bereich", sagte ein BMW-Manager vor der Abreise nach Detroit. Die Gewichte der Branche haben sich verschoben. Bislang war es so, dass die Hersteller in anderen Regionen der Welt zulegen konnten, wenn alte Märkte wie USA oder Westeuropa schwächelten.

Doch inzwischen ist von Schwellenländern nicht mehr so ohne weiteres Linderung zu erwarten. Die Pkw-Nachfrage in den bisher boomenden Ländern China, Indien und Brasilien hat an Schwung verloren. In den vergangenen Jahren haben alle größeren Autobauer vom Hunger der Chinesen nach Mobilität und Statussymbolen profitiert und stampfen dort serienweise neue Fabriken aus dem Boden. Damit entstehen auch auf dem weltgrößten Pkw-Markt allmählich Überkapazitäten.

Die Volksrepublik bleibt zwar einer der größten Wachstumsmärkte, aber mit deutlich abnehmendem Tempo. Die vergleichsweise hohe Inflationsquote von sechs Prozent und eine restriktivere Kreditvergabe wirken bremsend auf Investitionen und Konsum. Der chinesische Pkw-Markt wird nach VDA-Prognosen in diesem Jahr um acht Prozent auf gut 13,2 Millionen Einheiten steigen. Im Fall der USA geht der Verband bei den Pkw und kleineren Lieferwagen von einem Zuwachs in Höhe von fünf Prozent auf 13,4 Millionen Fahrzeuge aus. Damit wären die USA nicht nur wieder der größte Autoabsatzmarkt der Welt. Dort werden auch Wagen verkauft, die den Herstellern mehr Gewinn bringen. Die USA schlüpfen wieder in ihre alte Rolle als Treiber der Autobranche.

Dabei steht es um die Wirtschaft und die Finanzen des Landes nicht gut. Dennoch glauben die Hersteller, dass die Nachfrage deutlich anziehen wird. "Das Land ist weit weg von den Verkaufszahlen der Zeit vor der Krise. Das Alter der Durchschnittsflotte ist hoch, die Bevölkerungsentwicklung positiv", sagt ein BMW-Manager. Und Präsident Barack Obama werde alles dafür tun wird, dass im Wahljahr 2012 die Wirtschaft läuft.