Marktbericht

Die gute Macht der Märkte

An dieser Stelle muss auch mal eine Lanze für die oft kritisierten Finanzmärkte und Rating-Agenturen gebrochen werden. Sie sind es nämlich, die das fragwürdige Verhalten des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban gnadenlos bestrafen.

Während die Kritik von Kanzlerin Angela Merkel oder EZB-Chef Draghi in den vergangenen Tagen nahezu wirkungslos an Orban abprallte, dürfte die Macht der Märkte ihn schon bald niederstrecken.

Am Freitag hat etwa die US-Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschniveau herabgestuft. Trotz heftiger Kritik aus Brüssel hatte Regierungschef Orbán kurz zuvor eine Überarbeitung des strittigen Notenbankgesetzes seines Landes abgelehnt - obwohl er weiß, dass er so nur schwer an die dringend notwendigen 20-Milliarden-Kredit vom IWF kommt.

Die Herabstufung durch Fitch tut Orban allerdings richtig weh. Denn sie macht es dem Land nahezu unmöglich, in den kommenden Monaten selbst genügend Geld am Kapitalmarkt einzusammeln, um den Haushalt der klammen Nation am Laufen zu halten. Schon in den vergangenen Tagen haben die "bösen" Finanzmärkte dafür gesorgt, dass die ungarischen Zinskosten in die Höhe schossen. Die Folge: Orban muss nun zwangläufig gegenüber dem IWF und den EU-Oberen einknicken.

Noch vor wenigen Tagen ließ er trotzig verlauten: "Das schaffen wir auch selbst." Das kann er jetzt vergessen - den Märkten sei es gedankt.