Fluggesellschaften

Trotz Ticketsteuer: Passagierboom an deutschen Flughäfen

Die Luftverkehrsteuer für Starts von deutschen Flughäfen wird nach einem Jahr zum 1. Januar leicht gesenkt. Im Inland und für Kurzstrecken sind künftig 7,50 Euro statt bisher acht Euro fällig, auf Mittelstrecken wie nach Ägypten 23,43 Euro statt 25 Euro und für fernere Ziele 42,18 Euro statt 45 Euro.

Die Flughafenbranche und die SPD kritisierten die Steuer scharf, die die schwarz-gelbe Bundesregierung Anfang 2011 als Teil des Pakets zur Etatsanierung eingeführt hatte. In der Hochsaison im Sommer zählten die deutschen Airports trotz der Belastung deutlich mehr Passagiere.

Zwischen April und Oktober hoben rund 65 Millionen Flugreisende in Deutschland ab, ein Plus von 3,4 Millionen oder 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete, gab es in den vergangenen 20 Jahren nur 2004 und 2005 größere Zuwächse bei den absoluten Passagierzahlen während des Sommerflugplans. Der zeitweise befürchtete Einbruch bei den Passagierzahlen ist damit ausgeblieben. Profitiert von steigenden Fluggastzahlen haben größere Flughäfen. Alleine an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt kletterte die Passagierzahl während der Sommersaison um 7,8 Prozent auf rund 18 Millionen. Kleinere Flughäfen wie Lübeck, Hahn im Hunsrück, Memmingen oder Erfurt hätten dagegen Rückgänge verzeichnet, sagte ein Sprecher der Statistikbehörde.

Billigflieger leiden besonders

Die Ticketsteuer wird für Starts seit 1. Januar 2011 erhoben. Vor allem Regionalflughäfen fühlen sich von der Abgabe massiv getroffen, Billigflieger haben ihr Angebot in Deutschland als Reaktion auf die Belastung erheblich ausgedünnt. Hintergrund ist, dass die Steuer wegen des harten Wettbewerbs nicht komplett über höhere Ticketpreise an die Passagiere weitergegeben werden kann. Die SPD kritisierte die Steuer als "ökologischen wie ökonomischen Murks". Sie sei "so ausgestaltet, dass sie keine ökologische Lenkungswirkung hat und gleichzeitig in den innerdeutschen Wettbewerb der Fluglinien eingreift", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Sören Bartol. "Sie dient lediglich dazu, die Löcher des Bundeshaushalts zu stopfen."

Der Flughafenverband ADV forderte die Abschaffung der Steuer, ohne die an den 23 großen Verkehrsflughäfen in diesem Jahr bis zu sieben Millionen Passagiere mehr realistisch gewesen wären. Die Senkung zum 1. Januar sei "ein Schrittchen in die richtige Richtung, aber die erste Chance zu einer wirklichen Korrektur wird vertan", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.