Arbeitsmarkt

Jeder vierte Arbeitslose rutscht sofort in Hartz IV

Jeder vierte Beschäftigte, der arbeitslos wird, ist direkt auf Hartz IV angewiesen und bekommt kein Arbeitslosengeld I. Das zeigt eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA), die der Nachrichtenagentur dapd vorlag.

Die Zahl der Betroffenen steigt demnach seit einigen Jahren an. Vor allem Geringqualifizierte fallen in diese Kategorie. Von Dezember 2010 bis November 2011 bezogen laut der BA-Analyse 737 000 Menschen Hartz IV (Arbeitslosengeld II), nachdem sie vorher gearbeitet hatten. Im Monatsdurchschnitt sind das etwa 61 000 Betroffene. Ein Jahr zuvor lag diese Zahl noch bei 57 000, 2009 bei 53 000 und 2008 sogar nur bei 51 000.

Zu den Gründen, warum jemand sofort Hartz IV und nicht Arbeitslosengeld I erhält, schreibt die BA: "Entweder war die Beschäftigungszeit zu kurz, um Ansprüche zu erwerben, oder das früher erzielte Lohneinkommen war zu niedrig, um mit dem daraus abgeleiteten Arbeitslosengeld-Anspruch den Bedarf zu decken und muss mit Arbeitslosengeld II aufgestockt werden." Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, wer innerhalb der letzten zwei Jahre vor Verlust seines Arbeitsplatzes mindestens ein Jahr lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat.

Vor allem Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation rutschen nach dem Verlust des Arbeitsplatzes sofort auf Hartz IV. 43 Prozent der Geringqualifizierten, die arbeitslos werden, erhalten laut BA unmittelbar danach Arbeitslosengeld II. Aus "Branchen mit hohen Anteilen an Ungelernten" gebe es besonders viele direkte Zugänge in Hartz IV. Das gelte besonders für die Zeitarbeit und das Gastgewerbe. Fast 30 Prozent derjenigen, die sofort auf Hartz IV abrutschten, waren vorher in der Zeitarbeit beschäftigt. Unter den Fachkräften seien es lediglich 19 Prozent.

Die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher insgesamt geht allerdings zurück. Darauf verwies das Bundesarbeitsministerium. Im November 2011 habe sie mit 1,9 Millionen auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung im Jahr 2005 gelegen. Das sei ein Rückgang um 6,5 Prozent im Vergleich zum November 2008. Das Risiko, arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger zu sein, "war niemals niedriger als momentan".

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles beklagte, Deutschland werde immer mehr zum Niedriglohnland. "Wer einmal in prekärer Beschäftigung ist, rutscht auch schneller in Hartz IV", erklärte sie. Das sei ein "Teufelskreis". Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann, forderte mehr unbefristete Einstellungen. "Befristete Arbeitsverhältnisse müssen die Ausnahme bleiben", sagte der CDU-Politiker der "Rhein-Zeitung".