Marktbericht

Euro-Überraschung zum Fest

Lorenzo Bini Smaghi ist bei der Europäischen Zentralbank (EZB), Hüterin des Euro, nicht irgendwer. Auch wenn das Direktoriumsmitglied mit italienischem Pass bald ausscheidet: Das, was er da kurz vor Weihnachten gesagt hat, ist bemerkenswert.

Smaghi verzichtete beispielsweise auf die nebulöse Art des Formulierens, die aktive Notenbanker eigen ist. "Ich würde keinen Grund sehen, warum solch ein Instrument, das maßgeschneidert ist für die Besonderheiten der Euro-Zone, nicht verwendet werden sollte", sagte Smaghi. "Solch ein Instrument" ist jene Maßnahme, die von den Finanzmärkten ersehnt und von den Deutschen verbissen bekämpft wird. Es geht um den Kauf von Staatsanleihen. Smaghi will das zu einem festen Bestandteil der Geldpolitik machen. Zwar hat die EZB schon gebeutelte Zinspapiere, etwa von Italien, erworben. Doch das waren Ausnahmekäufe, der Krise geschuldet. Nun will Smaghi die aktive Finanzierung von Staatsschulden dem Standard-Instrumentenkasten der EZB beilegen. Man kann sicher sein, dass es 2012 dazu kommen wird. All die Gipfel mit Beschlüssen und Appellen, Staatsfinanzen solide zu gestalten, haben nichts gebracht. Italien, Spanien und Co zahlen nach wie vor Horrorzinsen. Doch eine EZB als permanenter Anleihekäufer ist keine langfristige Lösung. Gelddrucken kann die Zentralbank in die Bredouille bringen. Für ihre Verluste stehen die Euro-Staaten ein. Die größte Last trägt Deutschland.