Immobilien

Potsdamer Platz: Investoren halten sich zurück

Die Hängepartie um den Potsdamer Platz geht weiter - und wird für die Beteiligten immer teurer. Die Investmentgesellschaft SEB Asset Management musste nun eingestehen, noch immer keinen Käufer für das ehemalige Daimler-Quartier gefunden zu haben.

Laut Informationen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, würde sich derzeit nur ein Preis von etwa einer Milliarde Euro erzielen lassen. Der SEB ist das zu wenig. Sie verlangt knapp 1,5 Milliarden Euro.

Dass die Gebote deutlich unter der Preisvorstellung der SEB liegen, hat neben der aktuellen Staatsschuldenkrise noch einen weiteren Grund: Niemand weiß derzeit, welche Renditen sich mit dem Ensemble am Potsdamer Platz langfristig erzielen lassen. Zum einen droht durch das in der Nähe errichtete Wertheim-Center neue Konkurrenz für die Einzelhandelsflächen im Quartier. Als besonders riskant werten Interessenten jedoch, dass Daimler Financial Services Ende nächsten Jahres und der Daimler-Vertrieb im September 2013 aus dem Areal ausziehen. "Für insgesamt 25 000 der 130 000 Quadratmeter Bürofläche müssen in den kommenden Jahren Nachmieter gefunden werden", sagt ein Analyst einer Beratungsgesellschaft. Gelinge dies nicht, würden 19 Prozent der Büroflächen und rund acht Prozent der Gesamtfläche von 300 000 Quadratmetern leer stehen.

Großes Büroflächen-Angebot

Barbara Knoflach, Chefin der SEB Asset Management, versucht, das Risiko des Daimler-Auszugs als Chance darzustellen. Dadurch biete sich "ein Mietsteigerungspotenzial", argumentierte sie in einem Kommentar an die Fondsanleger. Daimler zahle derzeit 17,50 Euro pro Quadratmeter und Monat. Diese Miete liege rund zehn Prozent unter den "aktuell erzielbaren Preisen". Die Berater der Kaufinteressenten teilen diese Ansicht jedoch nicht: "Kommt es durch die Euro-Krise zu einer Konjunkturabschwächung in Deutschland, werden Unternehmen auch in Berlin ihren Büroflächenbedarf zurückschrauben und die Mietpreise unter Druck geraten", sagt ein Makler. Zwar sank durch die Konjunkturerholung die Leerstandsrate am Berliner Büromarkt nach einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft Aengevelt von 8,9 auf 8,5 Prozent. Damit stehen aber immer noch 1,52 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer. "Bei diesem breiten Angebot ist kein Unternehmen darauf angewiesen, Flächen am Potsdamer Platz anzumieten", erklärt der Makler.

Mit dem Wegzug von Daimler im Jahr 2013 endet auch ein wenig Neu-Berliner Geschichte. Nach dem Mauerfall wurde der Potsdamer Platz in großem Stil neu bebaut. Der damalige Daimler-Chef Edzard Reuter, Sohn des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter, verfügte, dass die Servicetochter Debis ihren Sitz in Berlin nahm. Im Jahr 2007 verkaufte Daimler das Areal für 1,4 Milliarden Euro an die SEB.