Euro-Krise

Jetzt warnt Fitch: In Europa wackeln die Ratings mehr denn je

Die Ratingagenturen zeigen sich von den politischen Anstrengungen um eine Lösung der Euro-Schuldenkrise unbeeindruckt. Fitch warnte jetzt gleich sechs Euro-Länder vor einer Herabstufung schon binnen drei Monaten, darunter die Schwergewichte Italien und Spanien.

Erst wenige Stunden zuvor hatte die neue italienische Regierung ein Milliarden-Sparpaket auf den Weg gebracht. Die Begründung der Fitch-Experten: "Nach dem EU-Gipfel ist eine umfassende Lösung für die Euro-Zonen-Krise technisch und politisch außer Reichweite." Neben Italien und Spanien sind Belgien, Slowenien, Irland und Zypern nun Wackelkandidaten. Frankreich behielt zwar vorerst die Bestnote AAA, bekam von Fitch aber einen negativen Ausblick attestiert. Damit droht der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone eine Herabstufung binnen zwei Jahren.

Auch die Ratingagentur S&P hatte damit gedroht, die Ratings Frankreichs und Deutschlands sowie fast aller Euro-Mitglieder zu senken. Ein solcher Schritt würde die Kreditkosten für den Rettungsschirm EFSF erhöhen. Dringenden Handlungsbedarf mit Blick auf Italien und Spanien sieht auch das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Erkki Liikanen. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Entscheidungen verzögert und Ratings gesenkt werden", sagte der Chef der finnischen Zentralbank am Sonnabend. Es müsse dringend verhindert werden, dass die Schuldenkrise zu einer Flut von Herabstufungen und einer Kreditsperre führe, warnte Liikanen.

In Paris bemüht sich die Regierung Beobachtern zufolge seit Längerem, die Bevölkerung auf eine Herabstufung des Landes vorzubereiten. Das Thema könnte auch Einzug in den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf halten. Fitch begründete die Entscheidung zu Frankreich mit höheren Risiken, die das Land im Zuge der Schuldenkrise eingehen müsse. Das französische Finanzministerium teilte mit, dass es die Bestätigung des AAA-Ratings zur Kenntnis genommen habe.

Auch Weltbank-Chef Robert Zoellick äußerte sich mit Sorge. Die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme in der Euro-Zone seien alles andere als gelöst, sagte Zoellick. Besorgt zeigte er sich auch über die zunehmenden Spannungen zwischen Frankreich und Großbritannien. Die Politiker beider Länder sollten sich im Kampf gegen die Schuldenkrise ihrer Verantwortung bewusst sein und deshalb mehr Zurückhaltung üben. Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens hatten sich zuvor erneut einen verbalen Schlagabtausch im Streit über den Kurs in der Schuldenkrise geliefert.