Kommentar

35 Prozent mehr, das ist frech

Es ist erstaunlich, wie schweigsam der Bundesgesundheitsminister bei der Frage ist, ob eine 35-prozentige Gehaltserhöhung für einen Ärztefunktionär angemessen ist. Dabei ist die Angelegenheit gar nicht so kompliziert.

Auf den ersten Blick sind 350 000 Euro Jahresgehalt tatsächlich sehr viel Geld. Die Summe übersteigt deutlich das Gehalt von Krankenkassenchefs und das des Ministers ohnehin. Andererseits verdienen schon die Chefs der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen bis zu 275 000 Euro. Und außerhalb des staatlichen Gesundheitssektors gibt es noch mehr Geld. Wenn die Ärzte also einen guten Manager haben wollen, der ihr kompliziertes Honorarsystem versteht und ihre Interessen durchsetzen kann - und das kann Köhler -, dann müssen die Ärzte, die im Schnitt selbst nicht schlecht verdienen, gutes Geld zahlen.

Das einzige, was unangenehm auffällt, ist die Höhe des Gehaltssprungs. 35 Prozent mehr auf einen Schlag, das ist wirklich frech. Das könnte der Minister kritisieren. So aber entsteht der Verdacht, dass es sich der FDP-Politiker Bahr mit einem Teil seiner traditionellen Wählerschaft nicht verscherzen will.