Mehdorn

Air Berlin erhöht Ticketpreise

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin erhöht zum Beginn des Sommerflugplans 2012 ihre Preise. Dies werde schrittweise erfolgen und für alle Strecken unterschiedlich ausfallen, sagte der Air-Berlin-Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn der "Bild"-Zeitung. Der ehemalige Bahnchef ist davon überzeugt, die angeschlagene Gesellschaft wieder in die schwarzen Zahlen bringen zu können.

"Das wirtschaftliche Umfeld ist momentan schwierig, der Euro ist schwach, die Kunden sind zögerlich, und die Konkurrenz ist stark. Aber ich sage, wir werden es schaffen", betonte Mehdorn. Weitere Stellenstreichungen seien aktuell nicht geplant. Komplett ausschließen könne er das vor dem Hintergrund der derzeitigen Schuldenkrise allerdings nicht. "Wir müssen so schnell wie möglich wieder in die schwarzen Zahlen kommen", erklärte Mehdorn. Für einen weiteren Personalabbau gebe es aus heutiger Sicht aber keinen Grund. "Wir glauben, dass wir das intern sozialverträglich meistern können. Es gibt einen Einstellungsstopp, frei werdende Stellen werden im Haus besetzt."

Ein unverändert großes Ärgernis für den Airline-Chef ist die Luftverkehrssteuer, die seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt. Mehdorn appellierte an die Bundesregierung: Der Verlust, den Air Berlin in diesem Jahr mache, entspreche im Wesentlichen der Höhe der Luftverkehrssteuer, die die Gesellschaft zahle. "Eine umsichtige Bundesregierung würde das sehen und in Krisenzeiten die Steuer erst mal nicht erheben", sagte Mehdorn verärgert. Zudem müsste der Konzern nach seinen Worten eigentlich einen Bonus für Umweltschutz erhalten: Die Fluggesellschaft habe "die modernste Flotte mit geringstem Spritverbrauch aller europäischen Netzwerk-Fluggesellschaften. Und wir werden genauso behandelt wie jede Airline, die mit 25 Jahre alten Triebwerken durch die Gegend gurkt."

Der ehemalige Bahn-Chef Mehdorn, der das Steuer von Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold im Spätsommer dieses Jahres übernommen hatte, hat Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft einen scharfen Sparkurs verordnet. Am Wochenende hatte Air Berlin einen Bericht zurückgewiesen, wonach die Gesellschaft diesen Sparkurs verschärfen wolle. Eine Sprecherin sagte, Air Berlin sehe keinen Grund, am bestehenden Umfang des Sanierungsprogramms etwas zu ändern. Das Ziel sei weiterhin, im Jahr 2012 Ergebnisverbesserungen in Höhe von 200 Millionen Euro zu erreichen. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, Air-Berlin-Chef Mehdorn wolle künftig 250 Millionen Euro pro Jahr einsparen und dafür das aktuelle Sanierungsprogramm ausbauen. Das laufende Jahr werde das Unternehmen Insidern zufolge mit einem Rekordminus von knapp 200 Millionen Euro beenden, schrieb die "Wirtschaftswoche". Das wäre doppelt so viel wie im Vorjahr.

Nach neun Monaten hatte sich der Nettogewinn der Gesellschaft von 135,9 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 30,2 Millionen Euro reduziert, wie Air Berlin im November mitgeteilt hatte. Den Gewinnrückgang führte Mehdorn bereits damals im Wesentlichen auf die Luftverkehrssteuer zurück. Unterm Strich schreibt die Fluggesellschaft allerdings seit 2008 rote Zahlen und hat inzwischen einen Schuldenberg von mehr als 600 Millionen Euro angehäuft.