Brasilien

Mitarbeiter-Reise nach Rio: Wüstenrot prüft Bordell-Vorwürfe

Die Bausparkasse Wüstenrot prüft schlüpfrige Vorkommnisse auf einer Brasilien-Reise ihrer Vertreter.

Der Konzern untersuche, ob Teilnehmer "gegen unsere Verhaltensregeln oder Rechtsvorschriften verstoßen haben", erklärte Wüstenrot-Vorstand Bernd Hertweck am Montag in Stuttgart. Auf der Reise besuchten demnach Wüstenrot-Mitarbeiter einen Nachtclub, bei dem es sich um einen Kontakthof für käuflichen Sex handelt.

Die 203 000 Euro teure Brasilien-Reise veranstaltete die Bausparkasse vom 27. April bis 2. Mai vergangenen Jahres. Sie sollte "eine Ehrung für besonders verdiente Vertriebsmitarbeiterinnen und Vertriebsmitarbeiter" darstellen, wie Wüstenrot erklärte. Auf dem offiziellen Programm hätten touristische Ziele "sowie übliche touristische Besuche von Restaurants gestanden" - aber keinerlei Veranstaltungen oder Aktivitäten, die nicht mit dem Verhaltenskodex der ältesten deutschen Bausparkasse vereinbar gewesen wären, betonte das Unternehmen.

Doch neben Zuckerhut und heimischer Küche gab es auch anstößiges Amüsement: 14 bis 20 Mitglieder der insgesamt 50 Teilnehmer zählenden Reisegruppe besuchten an einem Abend in Rio de Janeiro einen Nachtclub namens "Barbarella", wie Wüstenrot bestätigte. Dabei handele es sich um ein Etablissement, in dem sich Prostituierte tanzend den Gästen anböten. Dem "Handelsblatt" vom Montag zufolge hatte die Reiseleiterin das Etablissement empfohlen. "Die Bustüren gingen auf und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Direktoren", zitiert das Blatt einen Teilnehmer. "Ich habe nur gedacht: Das kann ja wohl nicht sein, dass uns die Wüstenrot hier zum Puff kutschiert." Mindestens drei "Barbarella"-Besucher nahmen dem Bericht zufolge später Prostituierte mit aufs Zimmer.

Wüstenrot schaltete mittlerweile die interne Revision ein. Das Unternehmen distanzierte sich am Montag von den Geschehnissen. "Eindeutige Ausschweifungen im Rahmen einer Dienstreise verstoßen selbstverständlich gegen unsere Verhaltensrichtlinien", erklärte Hartweck. Solche Aktivitäten unterstütze, organisiere oder finanziere Wüstenrot nicht. Das sei auch bei der Reise nach Rio de Janeiro nicht anders gewesen.