Netzwerkprobleme bei O2

Schlechte Verbindung

Dem Mobilfunknetzbetreiber Telefónica O2 bleibt in diesen Tagen kaum eine Demütigung erspart. Nachdem zahlreiche Kunden über ein schlechtes Netz klagten, tritt der Konkurrent Deutsche Telekom nach und schaltet im Internet munter Anzeigenbanner. "Liebe O2-Kunden, wieder mal keinen Empfang?" fragt die Telekom und schiebt gleich hinterher: "O2 can`t do", in Anlehnung an den bekannten Werbeslogan von O2.

Wer es dann immer noch nicht verstanden haben sollte, der stolpert über einen anderen Telekom-Werbebanner: "Lieber O2-Kunde, was nützt Ihnen ein günstiger Tarif, wenn Sie keinen Empfang haben?"

Ausgerechnet auf der Website von Matthias Bauer schaltet die Telekom ihre Botschaften, die man mit "einem Augenzwinkern" verstanden haben möchte, wie es im Unternehmen heißt. Bauer ist Softwareentwickler - und O2-Kunde, der oft zwischen Hamburg, Berlin und München pendelt. Dabei ärgerte er sich regelmäßig über Netzprobleme und vor allem über die Erklärungen, die ihm die O2-Hotline lieferte: Das seien zeitweise Störungen, Einzelfälle, und sie seien örtlich begrenzt. Tatsächlich hörte Bauer von vielen anderen Fällen und beschloss, eine Website als Sammelstelle einzurichten, auf der O2-Kunden ihre Probleme melden können.

Unter der Adresse www.wir-sind-einzelfall.de häufen sich nun die sogenannten Einzelfälle. Kürzlich hat Bauer eine Liste mit Meldungen an Telefónica O2 weitergeleitet mit der Bitte um Behebung. 8000 Meldungen sind bereits zusammengekommen, die ein Bild der Unzufriedenheit zeichnen: Datenverbindungen reißen ab oder sind sehr langsam, Telefongespräche kommen nicht zustande, werden unterbrochen oder mit schlechter Tonqualität übertragen. Handys zeigen vollen Empfang an, Anrufer landen aber auf dem Anrufbeantworter. Kurznachrichten erreichen die Adressaten verzögert oder gar nicht. Die meisten Meldungen kommen aus Berlin, Hamburg und München. Doch die Liste ist lang und enthält auch Frankfurt, Mannheim, Köln und Münster.

Alarmierende Testergebnisse

Auch den Profi-Testern der Fachzeitschrift "Connect" sind die Probleme aufgefallen. Einmal im Jahr fahren sie mit Messwagen durch Deutschland und stellen alle Handynetze auf den Prüfstand, was in diesem Jahr für O2 nicht allzu gut ausging. Die Ergebnisse bezeichnen die Tester als "alarmierend". "Im Test machten mehr als sieben von hundert Telefongesprächen Probleme", heißt es in der Auswertung. Insgesamt reichte es in diesem Jahr nur noch für die Note "ausreichend", während die Telekom mit "sehr gut" und Vodafone immerhin noch mit "gut" abschnitt. Dabei waren die Erwartungen größer. Noch vor einem Jahr schaffte O2 den Sprung auf den zweiten Platz im Netztest, nachdem der Anbieter drei Milliarden Euro investiert hatte.

Inzwischen spricht Telefónica auch nicht mehr von Einzelfällen. "Der Ansturm hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen", sagt René Schuster, Chef bei Telefónica in Deutschland. Mehr als neun von zehn Handys, die der Netzanbieter seinen Kunden verkauft, sind Smartphones. Diese Multimedia-Handys spielen ihr Können aber nur aus, wenn sie mit dem Internet verbunden sind. Smartphone-Nutzer verschicken E-Mails, surfen auf Webseiten, übertragen Videos und prüfen unaufhörlich ihre Twitter- und Facebook-Meldungen. Die Zahl der Smartphones im O2-Netz habe sich seit Anfang des Jahres verdoppelt, heißt es im Unternehmen. Insbesondere an Hotspots, wo viele Menschen unterwegs sind, zwingen sie das Handynetz in die Knie - etwa am Hamburger Bahnhof oder am Hackeschen Markt in Berlin.

Tatsächlich kämpfen auch andere Mobilfunker mit diesem Problem. Bei E-Plus sind mehr als 70 Prozent aller verkauften Geräte Smartphones, bei der Telekom waren es zuletzt 64 Prozent. "Wir erleben in allen deutschen Mobilfunknetzen zeitweise Engpässe", sagt Roman Friedrich, Telekommunikationsexperte bei der Strategieberatung Booz & Company. Die Datennutzung nehme an manchen Orten schneller zu, als die Mobilfunker dort ihre Netze nachrüsten könnten.

Zu große Datenmengen

Im Grunde haben die Netzbetreiber gleich zwei Probleme. Zum einen kommunizieren die Smartphones ständig mit den Basisstationen, an denen die Antennen hängen. Wer auf seinem Smartphone beispielsweise einen Messenger installiert hat, steht unaufhörlich in Kontakt mit den Antennen. Wird die Zahl dieser Geräte zu groß, kapituliert die Basisstation, was dann auch zu Problemen bei normalen Handy-Gesprächen führt. Die zweite Schwierigkeit liegt in den schieren Datenmengen, die stetig wachsen. Immer häufiger werden Smartphones dazu genutzt, Videos oder Musik zu übertragen. Noch höher sind die Datenmengen bei Notebook-Nutzern, deren Gerät über das Mobilfunknetz mit dem Internet verbunden ist.

Telefónica hat übrigens in der Zwischenzeit auf die Einzellfall-Aktion reagiert und auf der Webseite von Matthias Bauer eine Entschuldigung veröffentlicht. "Danke für Ihr Feedback", heißt es dort. Man sei bereits bei der Arbeit, die Schwachstellen abzustellen und verspreche Besserung bis Mitte Dezember. Auch neben der Entschuldigung blinkt ein Telekom-Werbebanner: "Für enttäuschte O2-Kunden", heißt es dort. "Wechseln Sie jetzt ins beste Netz."