Neues CO2-Label

Ab heute sind Geländewagen besonders umweltfreundlich

"Mogelpackung", "wunderlichste Ökoklassifizierung der Industriegeschichte" oder "unsinnigstes Öko-Label Deutschlands". Die Vorschusslorbeeren für das heute startete Energie-Effizienzlabel für Autos halten sich in Grenzen. Seit Wochen wird das neue Ökolabel nach dem Vorbild der Kühlschrank-Klassifizierung von vielen Seiten heftig kritisiert.

Nichts desto trotz. Ab heute sollen auch neue PKW ein Label für ihre Energie-Effizienz erhalten. Die Fahrzeuge werden bei den Händlern den Klassen A+ (grün und sehr effizient) bis G (rot und wenig effizient) zugeordnet. Die Kritik entzündet sich vor allem an der Tatsache, dass nicht der reine CO2-Ausstoß berücksichtigt wird, sondern dass das Gewicht des Fahrzeuges eine ganz wesentliche Rolle spielt. Die Berücksichtigung des Fahrzeuggewichts führe "mitunter zu absurden Effekten", sagte Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). "Je schwerer ein Auto ist, desto leichter ist es für das jeweilige Modell, eine grüne Effizienzklasse zu erreichen", kritisierte Miller. Gern wird an dieser Stelle die sogenannte Panzer-Rechnung aufgemacht. Die geht so: Der deutsche Kampfpanzer Leopard 2, der pro gefahrenem Kilometer satte 1500 Gramm CO2 ausstößt, würde dank seines Gewichts von 62 Tonnen laut der der neuen Effizienzklassen-Verordnung direkt neben einem VW Golf 1.4 landen - der gemeinhin als recht spritsparendes Vehikel gilt.

Greenwashing für Luxuslimousinen

Doch man muss gar nicht in Panzerdimensionen denken. Denn in der Tat wirkt es wie Etikettenschwindel, wenn ein 2345 Kilo schwerer Audi Q7 3.0 TDI mit einem Kohlendioxidausstoß von 195 Gramm pro Kilometer und ein 2,5 Tonnen schwerer Porsche Cayenne S Hybrid (193 g/km) in der zweitniedrigsten Klasse B landen, ein Kleinwagen wie der Toyota Aygo jedoch trotz eines wesentlich niedrigeren CO2-Ausstoßes in Klasse C herabgestuft wird. Ebenfalls für den Kunden nicht nachvollziehbar: Ein Smart Fortwo cdi mit dem Rekordwert von 86 g/km würde nach dem jetzt zu verabschiedenden Entwurf in die gleiche Kategorie, nämlich ebenfalls C, eingeordnet wie ein BMW X6 Hybrid (238 g/km). "Das ist Greenwashing für deutsche Luxuslimousinen. Es gibt ein falsches Signal an die Kunden und erweist dem Klimaschutz einen Bärendienst", sagt Gert Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Sein Verdacht: Ganz ähnlich wie bei den EU-Vorgaben zum künftigen Flottenverbrauch von Neuwagen hätten der Verband der Automobilindustrie (VDA) und das mit ihm eng verbandelte Wirtschaftsministerium die Schadstoffeinstufung zugunsten der heimischen Anbieter getrimmt.

Das zentrale Ziel der Bundesregierung scheint also schon jetzt verfehlt. Denn die neue Pkw-Kennzeichnung sollte eigentlich dazu führen, die Transparenz für potenzielle Autokäufer zu erhöhen und die Produktion verbrauchsarmer Autos zu fördern. "Wenn Pkw entsprechend ihrer Umweltschädlichkeit in eine Farbscala eingeordnet werden sollten, dann müsse die grüne Farbe eindeutig für besonders umweltfreundliche Fahrzeuge stehen", sagt Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Gelb müsse tatsächlich ökologisch bedenklich bedeuten und rot besonders umweltbelastend. "Anstatt den Kauf spritsparender Modelle zu fördern fahren künftig Geländewagen-Käufer mit gutem Öko-Gewissen durch unsere Straßen", kritisiert Hilgenberg. "Mit dem grünen Siegel dürfen nur solche Autos belohnt werden, deren CO2 -Emissionen unter 100 Gramm pro Kilometer liegen", forderte Hilgenberg.

Sogar der ADAC ist mit der Neuerung nicht glücklich. Die Kennzeichnung verunsichere die Autofahrer - und verfehle damit das Kernziel der höheren Transparenz. Der Automobilklub spricht sich stattdessen für eine Energieverbrauchs-Kennzeichnung für Autos nach dem "Kühlschrank-Modell" aus. Die tatsächlichen CO2-Emissionen müssen laut ADAC im Bewertungsschema besser berücksichtigt werden. Die vorgesehene Einstufung auf Basis des Fahrzeugleergewichts bevorzuge schwere Pkw. Verbrauchsarme Kleinwagen werden vielfach als "rot", große Pkw mit hohem Verbrauch als "grün" gekennzeichnet. Nach Ansicht des ADAC verwirrt das die Verbraucher, die sparsame Autos kaufen wollen. Der eigentliche Sinn des Labels, über die Energieeffizienz eines Fahrzeugs zu informieren, werde damit ausgehebelt.