Restrukturierung

Job-Kahlschlag soll Baumarkt-Kette Praktiker retten

Thomas Fox ist seinem Ruf als knallharter Restrukturierer wieder einmal gerecht worden: Der Interims-Manager, will bei seinem neuen Arbeitgeber Praktiker rund 30 Häuser schließen und 1400 Jobs in Deutschland streichen und sich aus anderen europäischen Ländern komplett zurückziehen.

Nicht einmal Boris Becker als Praktikers TV-Werbeonkel nimmt der gerade erst eingeflogenen Kostendrücker vom internen Kettensägenmassaker aus: "Ich glaube nicht, dass wir im kommenden Jahr noch Fernsehspots machen. Dieses Geld wollen wir lieber sparen", sagt Fox.

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Donnerstag hatte die angeschlagene Baumarktkette die Detaillierung des Restrukturierungskonzeptes angekündigt, mit dem das Unternehmen gerettet und die Kunden wieder in die Läden gelockt werden sollen - auch ohne die legendären 20-Prozent-Rabatt-Aktionen. Der Konzern betreibt rund 440 Filialen in zehn Ländern, darunter 236 Praktiker- und rund 80 Max-Bahr-Märkte in Deutschland.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Maßnahmen war der Aktienkurs schnell um sieben Prozent gestiegen. Doch schon am Freitag erlitt der rustikale Firmenretter Fox am einen herben Rückschlag. Denn jene 20 Prozent Rabatt, den Praktiker bis vor einem Jahr auf seine Waren anbot, gab es am Freitag an der Börse auf die Aktie der Baumarktkette: Der Kurs stürzte um mehr als ein Fünftel in die Tiefe. Der Markt ließ sich auch nicht vom Versprechen umstimmen, den Konzern mit Investitionen von 300 Millionen Euro innerhalb von zwei bis drei Jahren in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Fox hatte vor seinem aktuellen Job bei Praktiker eine Aufgabe übernommen, die kaum einfacher zu lösen war: Für ein paar Monate übernahm er die Leitung der Warenhauskette Karstadt, die damals in der Insolvenz steckte. Ohne allzu große Rücksichten auf Traditionen oder Seilschaften hatte er dort Strukturen vereinfacht, Sortimente reduziert und neu geordnet und Personal ausgetauscht.

Überfällige Schritte

Ähnlich macht er es jetzt bei Praktiker. Erst Anfang Oktober hatte er sein Chefbüro im saarländischen Kirkel bezogen. Und jetzt, keine zwei Monate später, schlägt er zu: Rund 30 Märkte stehen auf dem Prüfstand, Gespräche mit Vermietern über die Auflösung der Mietverträge laufen - damit dürften 1400 Jobs gestrichen werden. Schließungen von defizitären Märkten erschienen Firmenkennern schon länger als unumgänglich. Aber offenbar wollte der Aufsichtsrat die Entscheidung darüber dem Nachfolger des zurückgetretenen Vorstandschef Wolfgang Werner überlassen, also Thomas Fox. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di protestiert. Es sei dramatisch, dass die Folgen des Missmanagements jetzt auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen würden. Der ehemalige Vorstand sei verantwortlich für die verfehlte Rabattpolitik, ließ Stefanie Nutzenberger, die neue Handelsexpertin im Bundesvorstand, erklären.

Es bleibt bei zwei Marken

Während die Mitarbeiter noch zittern, ob ihre Filiale geschlossen wird und ihr Arbeitsplatz verloren geht, sind zwei der bestbezahlten Manager schon raus aus dem Unternehmen: Das für das Deutschland-Geschäft zuständige Vorstandsmitglied Pascal Warnking und Michael Arnold (Ausland) haben Praktiker noch am Donnerstag verlassen. Fox erledigt ihre Aufgabe gleich mit, die Chefetage schrumpft von fünf auf drei Mitglieder.

Jeder zweite Job soll in der Konzernverwaltung wegfallen: Die Zentrale in Kirkel steht vor der Auflösung. Künftig wird der Konzern von Hamburg aus geführt, dem Verwaltungsstandort der Tochter Max Bahr. Von den 900 Verwaltungsjobs bleiben 450, um Geld zu sparen. "Unsere Konkurrenten haben Verwaltungskosten von vier Prozent vom Umsatz, wir aber liegen bei acht Prozent", begründete Fox. Zeitweilig wurde sogar überlegt, die Marke Praktiker einzustampfen und die Kette als "Max Bahr" weiterzuführen. Doch es bleibt bei der Zwei-Marken-Strategie: Praktiker steht für den günstigen, Max Bahr für den gehobenen und serviceorientierten Einkauf.

Die frühere Metro-Tochter Praktiker hatte in den vergangenen Jahren mit ihren Rabatt-Aktionen "20 Prozent auf alles" großen Erfolg und konnte Marktanteile hinzu gewinnen. Doch irgendwann hatte sich dieses Instrument abgenutzt, außerhalb der Rabattphasen kam kaum noch ein Kunde zu Praktiker. Der langjährige Chef Werner stellte die 20-Prozent-Aktionen ein - ohne den Kunden jedoch Alternativen zu bieten.

Jetzt will sein Nachfolger die Kunden mit anderen Angeboten locken: etwa Coupons, Sonderangebote für spezielle Kunden oder Angebote, bei denen der Kunde drei Produkte kauft, aber nur zwei bezahlen muss. Die Werbezettel sollen übersichtlicher werden, ebenso die Läden. Zwei Filialen - Kaiserslautern und Heppenheim - lässt Fox so herrichten, wie er sich das für die gesamte Kette vorstellt. "Das machen wir jetzt ohne Kompromisse. Wir hatten Ideen und Konzepte, haben sie aber nicht konsequent umgesetzt".