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Mehdorn sucht Interessenten für Air Berlin

Die tief in den roten Zahlen steckende Air Berlin sucht laut Informationen der "Süddeutschen Zeitung" finanzielle Partner. Unternehmenschef Hartmut Mehdorn habe bereits Gespräche mit möglichen Interessenten geführt, darunter mit der arabischen Fluggesellschaft Etihad Airways und der chinesischen HNA Group, berichtete das Blatt.

Der Verkauf eines substanziellen Aktienpakets sei nicht ausgeschlossen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft wollte dies nicht kommentieren. Die Aktie der Air Berlin wurde durch die Spekulationen auf Achterbahnfahrt geschickt. Konnte die im Kleinwertesegment SDax notierte Aktie im vorbörslichen Handel noch 2,5 Prozent zulegen, so ging es am Nachmittag deutlich in den Keller. Mit einem Minus von mehr als sieben Prozent auf 2,45 Euro war der Titel zweitstärkster Verlierer in dem Index.

In Branchenkreisen hieß es dazu, das entwickelte Szenario für das Unternehmen sei zwar reizvoll. Aktuell stehe aber nichts unmittelbar bevor. Manche Analysten an der Börse sind sogar skeptisch. Dies sei sehr unrealistisch, kommentierte die DZ Bank. Air Berlin werde 2012 Mitglied der Luftfahrt-Allianz Oneworld mit der Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) der Fluglinien British Airways und Iberia. IAG sei ein starker Partner und möglicher Investor. "Neue Investoren für Air Berlin aus Abu Dhabi oder China, die nicht Mitglied der Allianz sind, machen von der Oneworld-Perspektive aus keinen Sinn", hieß es. Etihad Airways war bereits 2008 als Einstiegskandidat bei Air Berlin im Gespräch. Damals hätte Air Berlin für Etihad als Zubringer in Deutschland Passagiere zu Langstreckenflügen befördern können.

Air Berlin steckt nach Jahren schneller Expansion in den roten Zahlen und hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Ex-Bahn-Chef Mehdorn, der im Spätsommer das Steuer von Firmengründer Joachim Hunold übernommen hatte, hat dem Konzern einen scharfen Sparkurs verordnet. Die gebeutelte Fluglinie verkleinert ihre Flotte, dünnt ihr Streckennetz aus und verschiebt die Bestellungen neuer Flugzeuge. Erst Mitte November hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass für 2011 mit noch schlechteren Zahlen zu rechnen sei als zunächst angegeben. Ende September hatte das Unternehmen 644 Millionen Euro Schulden, 155 Millionen Euro mehr als neun Monate zuvor. Der operative Verlust betrug Ende September insgesamt 124 Millionen Euro.