Nobelmarke

Daimler lässt den Maybach auslaufen

Nach 90 Jahren ist endgültig Schluss: Daimler stellt die Produktion seiner Nobelmarke Maybach ein.

"Der Maybach läuft spätestens 2013 aus", teilte die Daimler AG mit. Die Marke soll künftig in der S-Klasse aufgehen. Von der neuen S-Klasse wird es ab 2013 sechs statt der ursprünglich geplanten drei Modelle geben. Die S-Klasse soll aufgewertet werden und damit zum Teil in der Liga des Maybach mitspielen, kündigte ein Konzernsprecher an. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt Daimler-Chef Dieter Zetsche: "Im Luxussegment werden wir künftig ganz auf unsere Kernmarke Mercedes-Benz setzen, die wertvollste Premium-Automarke der Welt."

Daimler hatte 1960 die Maybach-Motorenbau GmbH übernommen, die von 1921 bis 1941 in Friedrichshafen am Bodensee luxuriöse Automobile gefertigt hatte, ließ dort aber keine Pkw mehr bauen, sondern Motoren. Erst 2002 reaktivierte DaimlerChrysler den Markennamen Maybach, gründete die Marke Maybach-Manufaktur und baute wieder Nobel-Limousinen. Es war die Zeit, in der sich deutsche Automobilhersteller mit Edelmarken schmückten und auf Einkaufstour gingen: BMW kaufte Rolls Royce, Volkswagen Bentley. Doch anders als beispielsweise BMW hatte Daimler mit dem Maybach keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. "Wir haben zwar mit jedem verkauften Maybach zuletzt gutes Geld verdient", sagt ein Daimler-Manager. Allerdings waren es am Ende schlicht zu wenige Fahrzeuge, die tatsächlich einen Käufer fanden. 2009 und 2010 verkaufte Daimler eigenen Angaben zufolge jeweils rund 200 Fahrzeuge seiner Edelmarke. Das exklusive Auto kam trotz seiner hohen Qualität bei den zahlungsbereiten Kunden nicht an: Maybach konnte nach 2002 nie ganz das Image ablegen, im Grunde nicht mehr zu sein als die Luxusversion der S-Klasse. Die Nobelmarke wird in Sindelfingen im selben Werk wie die S-Klasse gebaut.

Der damalige DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp hatte bei der Reanimation des Maybach angekündigt, rund 1500 Autos von der Marke pro Jahr verkaufen zu wollen. In Zetsches Brief an die Mitarbeiter heißt es nun, Daimler habe seit 2002 insgesamt über 3000 Maybach-Fahrzeuge produziert. "Unterm Strich haben wir damit die Investitionen, die zur Wiederbelebung der Marke nötig waren, nicht wieder reinbekommen", räumt ein Daimler-Mitarbeiter ein. Jedes Auto der Marke Maybach ist laut Daimler "ein Unikat" und kostet mindestens 300 000 Euro.

Nur 150 Mitarbeiter waren in der Produktion des Maybach beschäftigt. Um ihre Arbeitsplätze müssen sie aber nicht fürchten: "Das sind allesamt Spezialisten, die wir dringend für den Anlauf der neuen S-Klasse mit weiteren Modellen brauchen", sagt ein Sprecher. Der "FAZ" sagte Zetsche, er erhoffe sich von neuen Modellen der S-Klasse für Mercedes jährlich einen Absatzzuwachs im fünfstelligen Bereich. Auch eine Verdopplung des bisherigen S-Klasse-Absatzes von aktuell rund 80 000 Stück sei nicht abwegig: "Wir sind seit eh und je führend in diesem Segment. Das soll auch so bleiben. Wir wollen nicht warten, bis uns die anderen den Schneid abkaufen." Bei Daimler war seit längerem darüber diskutiert worden, ob Maybach eingestellt oder mit einem Partner wie dem britischen Sportwagenbauer Aston Martin weiterentwickelt wird. Der Deal platzte, und nun endet auch die Geschichte der 1909 von Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin gegründeten Maybach-Motorenbau GmbH.