Elektromobilität

Das Elektro-Rennen ums Fördergeld

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Joachim Fahrun

Arnulf Bleck kann nur Gutes berichten über seine beiden Elektro-LKWs. "Die laufen stabil, es funktioniert", sagte der Flottenmanager der Spedition Meyer&Meyer. Die beiden 8,3-Tonner aus holländischer Produktion auf einem MAN-Fahrwerk liefern Kleidung unter anderem für die Filialen C&A. "Wir wollen das weitermachen und weiter entwickeln", sagte Bleck.

Und so kann die Spedition einen Beitrag leisten für den Einsatz von Elektrofahrzeugen in der City-Logistik.

Das Projekt ist wichtig für die Stadt. Denn für Berlin und die anderen Regionen in Deutschland, die sich gerne als Schaufenster der Elektromobilität darstellen wollen, wird es jetzt ernst. Die beiden Bundesminister Philipp Rösler (FDP, Wirtschaft) und Peter Ramsauer (CSU, Verkehr) haben am Mittwoch den offiziellen Startschuss für den Wettbewerb gegeben. Bis 16. Januar sollen die Teilnehmer Projektskizzen einreichen und darin deutlich machen, wie sie Car-Sharing-Firmen fördern, den Absatz von E-Autos attraktiv machen, Forschungsaktivitäten vernetzen, Ladestationen aufbauen wollen. Drei bis fünf Regionen wird eine Fachjury auswählen. 180 Millionen Euro aus den Kassen der Bundesregierung stehen dann bereit, um die einzelnen Projekte mitzufinanzieren.

Der Wettbewerb richte sich nicht nur an die großen Autohersteller, sagte Wirtschaftsminister Rösler, sondern auch an kleine und mittlere Unternehmen. "Die Vernetzung von verschiedenen Aktivitäten wird besonders gefördert."

Verkehrsminister Ramsauer sagte, es gehe eben nicht nur darum, möglichst viele Batterie-getriebene PKWs auf die Straßen zu bringen. In der von der Bundesregierung vorgegebenen Zahl, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge in Deutschland zu haben, seien auch Hybridfahrzeuge, Lastwagen oder Zweiräder enthalten.

Die Hauptstadt ist Favorit

Viele in der Politik und in der E-Mobility-Szene halten Berlin als eines der Schaufenster für gesetzt. Ramsauer blieb aber vorsichtig: Auch anderswo laufe vieles, so der Minister. "Aber Berlin erfüllt viele Kriterien", sagte Ramsauer und habe in Zukunft auch eine "andere Regierung". Die Hauptstadt habe "viele gute Voraussetzungen". Tatsächlich kann die Stadt als eine der bisher acht Modellregionen eine ganze Reihe von Aktivitäten vorzeigen. 110 Ladestationen gibt es bereits, zwölf Projekte für 80 Millionen Euro laufen in Unternehmen und Forschungsinstituten. 230 Elektro-Wagen sind in Projekten in der Stadt unterwegs, im Testbetrieb und in Car-Sharing-Flotten. Hinzu kommen private E-Autos. Bis Ende 2011 soll die Zahl der Elektrofahrzeuge auf 350 steigen. Bei Mercedes Benz am Salzufer hat die erste Werkstatt für Elektroautos eröffnet. Auf dem Gasometer-Gelände in Schöneberg arbeitet die Bemobility-Plattform daran, die elektrisch getriebene Mobilität der Zukunft zu entwickeln. Beteiligt sind Unternehmen wie die Bahn, Vattenfall, Bosch sowie die TU Berlin.

Gernot Lobenberg, der als Chef der Berliner Agentur für Elektromobilität im Auftrag des Senats die Projektskizze für den Wettbewerb schreibt, ist optimistisch. Neben den vielen Projekten und Forschungskapazitäten ist es die Möglichkeit, auf dem Tempelhofer Feld in einer Erlebniswelt dem Publikum die Neuheiten der E-Mobility zu präsentieren. "Das ist das I-Tüpfelchen", sagte Lobenberg.

Andreas Knie, Chef des InnoZ (Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel), erwartet vom neuen Senat entschlossenes Handeln. Die Stadt müsse Straßenland für Experimente öffnen, E-Auto-Flotten Parkraum zur Verfügung stellen und mit dem öffentlichen Nahverkehr verbinden. Dazu brauche es politischen Druck. Denn: "Alle Visionen enden beim Tiefbauamt."