Kompromiss

Schuldenschnitt für Athen rückt immer näher

Drei Jahre nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ist die Finanzkrise mit voller Wucht zurück. Und heute ist die Lage nach Einschätzung vieler Experten sogar noch gefährlicher als im Herbst 2008, die gesamte Weltwirtschaft ist in Gefahr.

Wenn die Politik nicht in der Lage sei, die Finanzkrise glaubwürdig anzugehen, "dann werden wir, so denke ich, vielleicht innerhalb von zwei bis drei Wochen einen Zusammenbruch bei den Staatsschulden haben, was im gesamten europäischen Bankensystem zu einer Kernschmelze führen wird", warnt Robert Shapiro, renommierter Berater des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Den meisten Regierungschefs der Euro-Zone ist die Brisanz der Situation mittlerweile bewusst. Heute wird Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy daher bei Angela Merkel (CDU) im Bundeskanzleramt erwartet. Die beiden suchen nach einem Weg aus dem Dilemma. Die Zeit drängt. Noch am Abend werden sie verkünden müssen, wie es weitergehen soll.

Bis vor wenigen Tagen lagen Sarkozy und Merkel in wichtigen Streitpunkten allerdings weit auseinander: Deutschland will eine Umschuldung Griechenlands - Frankreich lehnte sie ab. Paris fordert, dass der Rettungsfonds EFSF zur Refinanzierung angeschlagener Staaten und Banken der Euro-Zone Zugriff auf Gelder der Europäischen Zentralbank haben soll - Berlin ist bislang dagegen. Merkel will die europäischen Verträge früher als erst in drei Jahren ändern, um größeren Druck auf Schuldensünder ausüben zu können. Das soll für die gesamte EU gelten. Sarkozy aber will das auf die Euro-Zone begrenzen.

Inzwischen zeichnet sich nach Informationen der Berliner Morgenpost zumindest bei einigen Streitpunkten eine Einigung ab: Im Gegenzug für einen Schuldenschnitt für Griechenland soll Deutschland bereit sein, den Franzosen beim Rettungsfonds nachzugeben. Das könnte zur Folge haben, dass französische Banken, die eine Umschuldung Griechenlands nicht verkraften, im Notfall über den EFSF und damit auch mit deutschen Steuergeldern gestützt werden. Spätestens bis zum Treffen des Europäischen Rats am 17. und 18. Oktober solle der Beschluss über die Rekapitalisierung der Banken stehen, heißt es.

Eile ist geboten. Denn eine Reihe großer europäischer Geldhäuser würde Kapital brauchen, um Verluste infolge eines Schuldenschnitts in Athen abzufedern. Am Kapitalmarkt bekommen viele Institute kein Geld mehr: Nicht nur US-Banken, sondern auch europäische Finanzhäuser weigern sich immer häufiger, mit ihren Konkurrenten noch Geschäfte zu machen. Sie fürchten den Verlust ihres Geldes, sollte der Geschäftspartner zusammenbrechen.