Investitionen

"Ein Freund Griechenlands"

Philipp Rösler (FDP) und Giorgos Papandreou hatten einiges zu besprechen. Eigentlich war das Treffen zwischen deutschem Wirtschaftsminister und griechischem Ministerpräsidenten auf 30 Minuten angesetzt. Es wurden eineinhalb Stunden - "in guter Atmosphäre", wie anschließend Teilnehmer versicherten.

Dabei ist Rösler in Griechenland umstritten, seit er öffentlich eine Insolvenz des Landes ins Spiel brachte. Seine Äußerungen sollen aber kein Thema gewesen sein.

Röslers zweitägiger Besuch war eine Versöhnungsreise. Schon auf dem Flug nach Athen hatte er angekündigt, dass die dramatische Staatsverschuldung und die drohende Pleite des Landes nicht im Fokus stehen sollten. Rösler nannte seine Reise ein "klares Signal für den Investitionsstandort Griechenland".

Der FDP-Chef wurde von 50 deutschen Mittelständlern begleitet. Vor allem Solarunternehmen waren gut vertreten. Die Griechen haben die erneuerbaren Energien als ihre Zukunftsbranche entdeckt, auf die sie viele Hoffnungen setzen. Rösler wurde unter anderem von Solarworld-Chef Frank Asbeck begeleitet. Griechenland könne bis 2020 einen Sprung nach vorne schaffen und dann möglicherweise ein Drittel des Strombedarfs mit Photovoltaik decken, sagte Asbeck.

Das Interesse der deutschen Firmen registrierte man in Athen wohlwollend. Sonst genießt Deutschland hier den Ruf des Zuchtmeisters. "Die Präsenz von Minister Rösler und den Unternehmen sendet eine klare Botschaft des Vertrauens", sagte der griechische Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis, der Rösler als "einen Freund Griechenlands" vorstellte.

Abseits der offiziellen Ansprachen dominierte bei dem Treffen auf deutscher Seite allerdings Skepsis. Die deutschen Unternehmer klagten über Bürokratie und Korruption. Auch Rösler sprach Probleme an, vor allem alte Streitigkeiten zwischen Firmen und dem griechischen Staat. So sitzen einige deutsche Unternehmen noch immer auf unbezahlten Rechungen. Wie könne man verantwortungsvollen Unternehmern empfehlen, in Griechenland zu investieren, wenn nicht einmal der Staat seine Rechnungen bezahle, fragte Rösler im Kreis der Unternehmer.

Für die meisten Firmen ist Griechenland momentan ein zu unsicheres Terrain: Sie fragen sich, was passiert, wenn der Staat doch umschulden muss und das griechische Bankensystem zusammenbricht. Für Firmen, die dennoch investieren wollen, gibt es weitere Hürden. In Griechenland herrscht eine Kreditklemme, die Banken finanzieren keine Projekte. Rösler schlug vor, eine Förderbank nach Vorbild der deutschen KfW zu gründen.