Investitionen

Heuschrecke für Afrika

Bob Geldof weiß, wann es angebracht ist, gesittet aufzutreten. Hier in der Frankfurter Villa Kennedy, einem noblen Fünfsternehotel, ist so ein Moment. Geldof, der Popstar, will rund 50 Gäste für Afrika begeistern und, wichtiger noch, er will ihr Geld, für einen Fonds, dem er neuerdings vorsteht.

"8 Miles", heißt der Fonds, denn nur acht Meilen - rund 13 Kilometer, ist Afrika an der Straße von Gibraltar von Europa entfernt.

Doch in den Köpfen sind es oft Lichtjahre. Gegen diese Ignoranz kämpft Geldof seit Jahren. Er organisierte das legendäre Live-Aid-Konzert von 1985, das parallel in London und Philadelphia stattfand und wo in 16 Stunden alles auftrat, was damals Rang und Namen in der Musikszene hatte. 100 Millionen Euro wurden damals an Spenden eingespielt.

Damit gibt sich Geldof nicht mehr zufrieden. Diesmal will er eine Milliarde, und die Klientel im Frankfurter Nobelhotel soll das Geld nicht spenden, sondern investieren. "Für welchen Kontinent prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2012 das höchste Wachstum?", fragt er, um sich selbst zu antworten: "Afrika, 5,4 Prozent". "Wo wird 2020 die größte Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter leben, wo winken die höchsten Renditen?" Die Zuhörer kennen jetzt die Antwort.

Geldof ist nicht mehr der junge Mittdreißiger, der einst Live Aid organisierte. Die widerspenstigen langen Haare sind längst grau, am kommenden Mittwoch wird er 60. Und wenn man ihn so reden hört, wie er Zahlen herunterrattert, immer eingebettet in nette Geschichtchen, dann kommt man leicht auf den Gedanken, dass sich auch der Mensch Bob Geldof gewandelt hat. Aus dem idealistischen Helfer von einst scheint ein Vertreter des Kapitals geworden zu sein. Auf der Suche nach Rendite auf dem Schwarzen Kontinent.

Er tut auch nicht allzu viel, um diesen Gedanken zu zerstreuen. Im Gespräch gibt er offen zu, dass er 100 000 Dollar pro Jahr für seinen Job als Gesicht des Eigenkapitalfonds erhält. "Hier geht es nicht um Wohltätigkeit, das ist schlicht Kapitalismus", sagt er. Dennoch findet er nicht, dass er sich verändert hat. Er habe sich nur konsequent weiterentwickelt. "Ich habe gezeigt, dass ich Rockmusiker zusammenbringen kann und dass ich Politiker zusammenbringen kann", sagt er. "Jetzt sind die Typen aus der Finanzindustrie dran."

Wohltaten seien nicht die Lösung für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents. Einfach nur spenden reiche nicht. Wohlstand entstehe am Ende nur durch Handel - und durch Konsum. Afrika sei kein rückständiger, von Hunger und Kriegen zerfurchter Kontinent mehr, will uns Geldof sagen. Es sei eine Region im Aufbruch, in großen Teilen befriedet, zunehmend besser regiert, über weite Gebiete mit mehr Rechtssicherheit als China. Überhaupt China - die Vergleiche mit dem bevorzugten Ziel der Investoren liebt er. "Alle investieren in China, aber haben Sie sich mal gefragt, warum China praktisch ausschließlich in Afrika investiert?"