Interessenkonflikte

US-Börsenaufsicht übt scharfe Kritik an Ratingagenturen

Die US-Börsenaufsicht SEC hat die Arbeit der einflussreichen Ratingagenturen scharf kritisiert. Den Wächtern über die Kreditwürdigkeit unterliefen mitunter Fehler etwa in methodischer Hinsicht, aber auch bei der internen Kontrolle des Rating-Prozesses und der Bewältigung von Interessenkonflikten, heißt es in dem ersten Jahresbericht zu zehn Ratingagenturen.

Die SEC räumte darin ein, dass es bereits Verbesserungen gegeben habe. Dennoch erwartet die Behörde, dass die Agenturen die Bedenken ernst nähmen und rechtzeitig darauf reagierten.

Einzelne Agenturen, bei denen die SEC Probleme sieht, werden in dem Bericht nicht genannt. Die Börsenaufsicht halte es für wirksamer, mit jeder der betreffenden Agenturen direkt zu sprechen, zitierte die "Washington Post" Carlo di Florio von der für Inspektionen zuständigen SEC-Abteilung. Der Bericht, der den Zeitraum 1. Dezember 2009 bis 1. August 2010 erfasst, enthält auch wenige Details, die Vorwürfe sind zumeist vage formuliert, und oft werden Wörter wie "anscheinend" oder "möglicherweise" benutzt.

Generell mahnt die SEC bessere interne Kontrollen zur Vermeidung von Interessenkonflikten und von undichten Stellen vor der Veröffentlichung von Entscheidungen über ein Rating an. So heißt es etwa in dem Report, dass bei einer Agentur ein "Schlüsselanalyst" eine wichtige Rolle bei der Bewertung eines Unternehmens gespielt haben könnte, in die er selbst investiert habe. Bei einer anderen größeren Agentur seien möglicherweise Informationen über ein bevorstehendes Rating vorab herausgegeben worden. Insgesamt, so die SEC, habe es anscheinend bei allen untersuchten Firmen in einigen Fällen Fehler bei den Ratingprozeduren gegeben.

Ratingagenturen bewerten die Bonität von Staaten und Unternehmen sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren. Viele Investoren vertrauen ihrem Urteil nahezu blind. Politiker und Finanzaufseher hatten die Ratingagenturen scharf kritisiert. Sie hätten Zeichen für den Niedergang des US-Immobilienmarktes ignoriert. Versuche, Ratingagenturen für ihre Fehleinschätzungen zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterten indes.