Energiewende

Offshore-Windparks spüren heftigen Gegenwind

Wellen klatschen gegen die mächtigen Fundamente, der Wind weht über das Meer und die Rotorblätter kreisen am blauen Himmel - das ideale Bild eines Offshore-Windparks.

Für die Regierung sind die wenigen deutschen Parks in der Nord- und Ostsee, die bereits in Betrieb sind, Vorzeigeprojekte. Sie sollen sauberen Strom bringen und zwar möglichst schnell möglichst viel davon. Die Regierung setzt sich als Ziel, bis 2030 die Leistung aus Offshore-Wind enorm zu steigern: von heute 185 Megawatt (MW) auf 25 000 MW. Das entspricht der Leistung von 25 Atomkraftwerken und könnte somit einen entscheidenden Schritt dazu beitragen, die Energiewende umzusetzen.

Doch so einfach scheint das alles nicht zu sein. So dreht sich im Offshore-Windpark Baltic 1 von EnBW momentan gar nichts. Die 21 Windräder der Anlage wurden am 11. September zunächst planmäßig abgeschaltet, um sie zu warten. Die Arbeiten sollten fünf Tage dauern, doch die Räder laufen bis heute nicht. Über die Gründe schweigt EnBW sich aus. Klar ist allerdings, dass die Strommenge, die diesen Monat erzeugt werden wird, deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Und das bedeutet, dass EnBW viel Geld verliert, denn jeder Ausfalltag ist teuer. Die Windanlagen von Baltic 1 können gemeinsam eine Leistung von 48,3 Megawatt erbringen. Die produzieren rechnerisch genug Strom, um 50 000 Haushalte zu versorgen - wenn alles gut läuft.

Die Panne weckt ungute Erinnerungen an frühere Schadensfälle der jungen Meerwind-Branche. In Deutschlands erstem Offshore-Windpark "Alpha Ventus" etwa fiel schon wenige Wochen nach der feierlichen Eröffnung durch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im April vergangenen Jahres die Hälfte der Turbinen aus. Sechs der gewaltigen Rotoren und Gondeln mussten mit Kranschiffen abmontiert und an Land repariert werden. Es dauerte ein Vierteljahr, bis der Park vor der niedersächsischen Nordseeküste wieder seinen vollen Betrieb aufnahm. Und nicht nur deutsche Firmen kämpfen gegen Probleme: Vor dem Desaster bei Alpha Ventus hatte bereits der dänische Windkraftkonzern Vestas sein Waterloo auf hoher See erlebt. Im Jahr 2004 musste das Unternehmen ganze 80 defekte Gondeln im ersten Nordsee-Windpark "Horns Rev" vor der dänischen Küste wieder von den Türmen nehmen.

Die langen Ausfallzeiten sind die Schwachpunkte der Technologie, auf der einmal ein großer Teil der deutschen Stromerzeugung basieren soll. Schon bei Wellenhöhen über zwei Metern ist an einen Einsatz von Kranschiffen nicht mehr zu denken - 40 Kilometer vor der Küste keine Seltenheit. Auch Techniker kommen dann nicht mehr an die Turbine heran. So kann es Monate dauern, bis die Schäden behoben werden können.

Experten können zudem nur schätzen, wie lange die Anlagen auf dem Meer Wind und Wetter standhalten werden. EnBW hat für Baltic 1 eine Genehmigung für weitere 25 Jahre. "Ob wir den Park verlängern können oder rückbauen müssen, ist heute noch völlig offen", heißt es bei EnBW. Vielleicht wurde Offshore auch schon von einer neuen Technologie überholt.