Übernahme

Lufthansa will britische Tochtergesellschaft bmi verkaufen

Manchmal geht alles ganz schnell. Als Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkow vor kurzem bei der Vorstellung der Neun-Monats-Ergebnisse auf die anhaltenden Verluste bei der britischen Tochter bmi angesprochen wurde, zeigte er sich eher zugeknöpft.

Ja es gebe Gespräche mit Interessenten. Mit einem fassbaren Ergebnis rechne er bis zum Jahresende. Gestern gab die Lufthansa nun bekannt, dass sie ihre britische Tochter British Midland (bmi) an den Mutterkonzern von British Airways, die International Airlines Group (IAG), verkaufen will. Es gebe bereits eine entsprechende Grundsatzvereinbarung, hieß es. Die Unternehmen planten, den Kaufvertrag "in den kommenden Wochen" zu unterzeichnen. "Im ersten Semester 2012" solle die Transaktion dann abgeschlossen sein, sagte der Chef der Investor-Relations-Abteilung der Lufthansa, Frank Hülsmann. Zunächst aber müssten sich beide Parteien auf einen endgültigen Kaufvertrag einigen, und auch die Kartellwächter müssten der Übernahme noch zustimmen.

Analysten rechnen mit einem Verkaufspreis in Höhe von etwa 350 Mio. Euro. Damit dürfte der Rückzug zum Verlustgeschäft für die Lufthansa werden, sagte Commerzbank-Analyst Frank Skodzik, da bmi in den Büchern der Lufthansa noch mit einer halben Mrd. Euro stehen dürfte. Die Differenz müsse abgeschrieben werden. Der Verkaufspreise sei aber vertretbar, da die Lufthansa künftig nicht mehr die bmi-Miesen ausgleichen müsse. An der Börse bekam das Vorhaben null Applaus. Lufthansa verloren zeitweise vier Prozent, die von IAG sogar fünf Prozent.

Die Lufthansa hatte bmi erst 2009 vollständig auf Basis einer alten Vereinbarung mit dem Gründer Sir Michael Bishop übernommen. Seitdem war es den Deutschen aber nicht gelungen, ihre britische Tochter profitabel zu machen. Allein in den ersten neun Monaten diesen Jahr fiel ein in operativer Verlust von 154 Mio. Euro an. Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust bei 90 Mio. Euro gelegen. Für IAG ist die Lufthansa-Tochter dennoch interessant, weil bmi über begehrte Start- und Landerechte, sogenannte Slots, am Londoner Flughafen Heathrow verfügt. Nach dem Deal wird IAG 52,5 Prozent der Slots (bisher 44 Prozent) kontrollieren. IAG-Chef Willie Walsh glaubt trotzdem nicht, dass die Kartellbehörden Einspruch erheben werden: Lufthansa hat 66 Prozent der Slots in Frankfurt/Main und Air France 59 Prozent in Paris Charles de Gaulle. "Wir bewegen uns also in einem völlig normalen Rahmen", sagte Walsh.

Das Geschäft könnte dennoch am Protest des britischen BA-Rivalen Virgin Atlantic scheitern. Die Fluglinie des englischen Milliardärs Richard Branson protestierte, eine Übernahme von bmi würde BA "zu dominant" in Heathrow werden lassen. "Wir sind sehr besorgt - wie es auch die Wettbewerbsbehörden sein sollten - dass der Kauf von bmi durch BA katastrophale Folgen für Konsumenten haben wird", teilte Virgin mit. Gerade weil Heathrow bis zum Bersten ausgelastet ist und kein Wachstum mehr möglich sei, dürfe die Regierung die Übernahme nicht erlauben. Trotzig teilte Virgin mit, weiterhin ebenfalls an einem Kauf von bmi interessiert zu sein. "Wir arbeiten mit Lufthansa an der nächsten Stufe des Kaufes", hieß es.

Wirklich überzeugend klangen die Beteuerungen nicht, zumal die Branche weiß, wie verzweifelt Virgin nach Wachstumsmöglichkeiten sucht. Seit längerem hält Branson erfolglos Ausschau nach möglichen Investoren oder Partnern. Allerdings weigert sich Branson, zu viel Macht bei seinem "Baby" abzugeben. Heute gehören ihm 51 Prozent der Gesellschaft. Er erklärte sich zwar bereit, "ein paar Aktien zu verkaufen", bevorzuge aber, wenn sein Partner Singapore Airlines seinen Anteil von 49 Prozent reduziert. Solange Virgin keinen großen Partner findet, bleibt der Gesellschaft nur der Kampf um bmi. Die Chancen sind jedoch nicht besonders groß. Analysten vermuteten allerdings, IAG werde Virgin einen Teil der bmi-Slots verkaufen, um Ärger mit den Wettbewerbshütern zu umgehen.

"Wir bewegen uns (bei den Slots) in einem völlig normalen Rahmen"

Willie Walsh, British-Airways-Konzern