Marktbericht

Falscher Ehrgeiz

Es wurde als der große Befreiungsschlag gefeiert, als Commerzbank-Chef Martin Blessing im April dieses Jahres ankündigte, mit einem Handstreich den Großteil der staatlichen Einlagen zurückzuzahlen. Doch nun, kaum ein halbes Jahr später sieht alles danach aus, als hätte er sich zu früh gefreut.

Die zweitgrößte Bank des Landes schreibt wieder Verluste, auf die restliche Stille Einlage wird sie aller Voraussicht nach keine Zinsen an den Staat überweisen. Obendrein soll das Institut nach dem Wunsch der europäischen Bankenaufseher drei Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital aufstellen, um für die Staatsschuldenkrise gewappnet zu sein.

Die ehrgeizigen Maßnahmen aus dem April treffen die Bank heute ins Mark: Denn neben einer Kapitalerhöhung brachte die Bank drei Milliarden Euro aus eigenen Mitteln auf, um die Staatshilfe loszuwerden. Das sind genau jene drei Milliarden, die heute die Europäische Bankenaufsicht als zusätzliches Kapitalpolster fordert. Nachdem die Commerzbank neue Staatshilfen verweigert, muss sie sich die Summe nun aus dem eigenen Fleisch schneiden: in einigen Bereichen wird auf Neugeschäft gänzlich verzichtet, andere Bestandteile müssen verkauft werden.

Finanzchef Eric Strutz sagte, er sei froh, die verbliebenen knapp zwei Milliarden Euro an Stillen Einlagen noch in den Büchern stehen zu haben. Jene drei Milliarden Euro, die er damals nach Berlin überwiesen hat, tun ihm umgekehrt doppelt so weh.