Eurokrise

Tiefrote Zahlen bei der Commerzbank

Milliardenverluste mit griechischen Staatsanleihen, ein Loch von 2,9 Milliarden Euro im Eigenkapital und der endgültige Abschied vom großen Gewinnziel: Drei Jahre nach Übernahme der Dresdner Bank wird die Commerzbank wieder zur Großbaustelle.

Um nicht zum dritten Mal seit der Finanzkrise den Staat anzapfen zu müssen, will die Bank bis Mitte 2012 nur noch in Deutschland und Polen oder an Kunden aus diesen beiden Ländern Kredite vergeben, wie sie am Freitag mitteilte. Der Immobilienfinanzierer Eurohypo soll sein Neugeschäft fürs erste ganz einstellen. Vorstandschef Martin Blessing will die Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro drosseln, damit die Bank kein frisches Kapital braucht. Außer dem Internet-Broker Comdirect und der florierenden BRE Bank in Polen stehen alle Beteiligungen auf dem Prüfstand.

Ein Verlust von fast 700 Millionen Euro im dritten Quartal erschreckte die Börsianer und Analysten, weil er höher ausfiel als erwartet: Die Commerzbank-Aktie fiel um vier Prozent auf 1,68 Euro. Vor einem Jahr hatte die Bank noch 113 Millionen Euro verdient. "Aufgrund ihres hohen Portfolios an Staatsanleihen bleibt die weitere Entwicklung der Euro-Krise der entscheidende Kurstreiber" für die Bank, sagte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Positiv sei aber, dass Blessing glaube, ohne Kapitalerhöhung auszukommen. "Ich gehe da nicht noch mal hin", hatte er kürzlich mit Blick auf den Bankenrettungsfonds SoFFin gesagt. Nach neun Monaten ist der Gewinn auf nur 344 Millionen Euro vor Steuern zusammengeschmolzen. Damit muss sich der Bund drauf einstellen, dass die Commerzbank auch 2011 die laufenden Zinsen von 170 Millionen Euro auf ihre restliche Stille Einlage nicht zahlen wird, mit der ihr der Steuerzahler über die Finanzkrise hinweggeholfen hatte. "Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr nach deutschem Bilanzrecht Gewinn schreiben werden", sagte Finanzvorstand Eric Strutz. Das wäre die Voraussetzung für die Zinszahlung gewesen. Ein Grund dafür ist, dass die Bank gut eine Milliarde Euro gezahlt hat, weil sie den Löwenanteil der Staatshilfen vorzeitig getilgt hat. Mit dem Ausfall der Zinszahlung sind die Gehälter von Blessing, Strutz & Co. auch 2011 wie in den beiden Vorjahren auf eine halbe Million Euro gedeckelt.

Das große Ziel eines Vorsteuergewinns von vier Milliarden Euro, das Blessing mit der Dresdner Bank ausgegeben hatte, ist ebenfalls auf unbestimmte Zeit verschoben: Der Vorstandschef sagte, er fühle sich dem Ziel verpflichtet, die Bank werde es aber "aufgrund der Marktgegebenheiten noch nicht im nächsten Jahr erreichen können". Grund für das Minus im Quartal ist das ursprünglich drei Milliarden Euro schwere Paket an griechischen Staatsanleihen, das inzwischen mit weniger als der Hälfte in der Bilanz steht. Knapp 800 Millionen Euro hat die Bank darauf noch einmal abgeschrieben. Aber auch von einem Teil ihrer italienischen Staatspapiere hat sie sich getrennt und dabei Verluste in Kauf genommen. Die Commerzbank folgt damit einem Trend: Auch die französische BNP Paribas und die britische RBS haben zuletzt massiv europäische Staatsanleihen auf den Markt geworfen, nachdem sie an Wert verloren hatten. "Der Abbau von europäischen Staatspapieren soll in den kommenden Monaten weiter fortgesetzt werden", kündigte Blessing an.

Die Kernklientel der Commerzbank im Mittelstand soll nicht zu kurz kommen: "Wir beschleunigen die Risikoreduzierung", sagte Finanzchef Strutz. "Wir müssen zuerst darauf achten, die deutsche Wirtschaft mit Krediten zu versorgen."