Paketmarkt

Hermes sagt der Deutschen Post den Kampf an

Im deutschen Paketmarkt bahnt sich ein neuer Preiswettbewerb an: Kannten die Preise wegen höherer Kosten für Diesel und Personal zuletzt nur die Richtung nach oben, senkt der Paketdienst Hermes jetzt das Porto. Ab November führt die Tochter der Otto Group ein Päckchen ein, das für weniger als vier Euro verschickt werden kann.

Das ist eine Kampfansage an die Deutsche Post, die bislang die Preisführerschaft für sich reklamiert hatte.

Die Branche steht grundsätzlich unter Druck. Teilweise finden die Paketdienste keine neuen Fahrer mehr und müssen höhere Löhne zahlen. Aus diesen Gründen kündigt der Paketzusteller GLS schon jetzt eine Preiserhöhung für das kommende Frühjahr an: Um gut vier Prozent will das Unternehmen die Versandpreise anheben, sagte Firmenchef Rico Back der Berliner Morgenpost. Auch die Deutsche Post hat Preisanhebungen im Durchschnitt von 3,5 Prozent ab Januar 2012 bekannt gegeben. In beiden Fällen gilt dies für Geschäftskunden: Das sind etwa Telekomfirmen oder Textilhändler, die ihre Geschäfte mit Waren beliefern. Oder es sind Onlinehändler, die an Privatadressen verschicken.

Was Hermes auf den Markt bringt, betrifft vor allem Privatkunden und kleine Gewerbetreibende: Sie können ab November Sendungen für 3,80 Euro verschicken. Dafür müssen sie den Paketschein im Internet kaufen. Wird die Paketsendung im Paketshop frankiert, kostet sie vier Euro. Als Gewicht sind höchstens 25 Kilogramm erlaubt. Hermes haftet für jede Sendung mit bis zu 50 Euro, zudem kommt der Paketbote bis zu vier Mal an die Haustür, um das Päckchen zuzustellen. Um es abzuschicken, müssen Kunden in einen der 14 000 Hermes-Paket-Shops gehen und können anschließend online verfolgen, wo die Sendung gerade ist.

Die Erwartungen im eigenen Haus sind riesengroß: Da kleine Waren die Hälfte der von Privatkunden verschickten Paketmenge ausmachen, gilt dieses Geschäftsfeld als attraktiv. Hermes strebt denn auch an, deutlich Marktanteile im Privatkundengeschäft zu gewinnen. "Ich bin davon überzeugt, dass wir uns damit im Wettbewerb gut behaupten werden", sagte Frank Iden, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hermes-Gruppe. Dennoch ist der Markt relativ klein: Der Paketversand zwischen Privatkunden kommt auf etwa 145 Millionen Sendungen jährlich.

Zuletzt hatte die Deutsche Post Hermes unterboten und 3,90 Euro für das Internet-Päckchen und 4,10 Euro bei Frankierung in der Postfiliale verlangt. Allerdings sind die Sendungen nicht versichert und dürfen nur zwei Kilogramm wiegen. Nun stellt Hermes wieder einen Abstand von zehn Cent zu seinen Gunsten her. Experten sehen darin auch eine Reaktion auf die Post-Pläne im Paketversand: Der Konzern investiert eine dreiviertel Milliarde Euro in den Ausbau. "Wir schaffen damit die Voraussetzungen, künftig doppelt so viele Pakete in Deutschland auszuliefern wie bisher", sagte Andrej Busch, der das deutsche Paketgeschäft verantwortet, dem Fachblatt "Verkehrsrundschau".