Autobauer

Chinesen retten Saab in letzter Minute

Ein dramatischer Showdown mit Jubel, aber noch längst kein Happy End: Die Ankündigung der kompletten Saab-Übernahme durch zwei Investoren aus China hat den schier endlos gegen die Pleite kämpfenden Autohersteller in letzter Minute gerettet.

Mit Youngman aus Peking und dem in Shanghai angesiedelten Großhandelsunternehmen Pang Da stehe eine "sehr, sehr positive Zukunft auf dem größten Automarkt der Welt" bevor, freute sich der niederländische Saab-Chef Victor Muller am Freitag.

Ob 3500 Autobauer im westschwedischen Trollhättan aber demnächst tatsächlich ihre hochwertigen und nicht ganz billigen Autos wieder fertigen können, ist lange nicht sicher: Neben General Motors als Ex-Eigner müssen auch noch chinesische und schwedische Behörden sowie die Europäische Investitionsbank (EIB) grünes Licht geben. Bis dahin ist die Übernahme aus China eine Absichtserklärung.

Dass ausgerechnet Muller am Freitag die "nun endgültig gelungene Rettung" vor Journalisten feierte, während sich die künftigen Alleineigner weder in Schweden noch daheim in China über ihre Pläne äußerten, mutete seltsam an. "Wir können jetzt endlich all unsere Pläne verwirklichen", verkündete Muller vollmundig von Amsterdam aus, als sei er noch Herr des Verfahrens. Obwohl er als Vertreter des bisherigen Saab-Eigners Swan (Swedish Automobile N.L.) eigentlich eher dem nackten Mann glich, dem niemand in die Tasche greifen kann.

Swan hatte nach fast sieben Monaten Produktionsstillstand in Trollhättan noch nicht mal Mittel, um eine Woche Restlöhne und -gehälter in Trollhättan auszuzahlen. Nur knapp über 10 000 Autos sind 2011 in dem kleinen Städtchen nördlich von Göteborg vom Band gelaufen, weil niemand mehr die Zulieferer bezahlen konnte. Mehrfach von Muller verkündete und dann gestrandete "Partnerschaften" haben nichts an gähnend leeren Kassen, Stillstand der Produktion und rapidem Vertrauensverlust bei der Kundschaft geändert. Nun gelang aber doch ein neuer Anlauf mit fernöstlicher Hilfe, den die um alles in allem mehr als 10 000 Jobs in Schweden bangenden Gewerkschaften begrüßt haben. Viel skeptischer äußerten sich unabhängige Beobachter wie der Insolvenzanwalt Rolf Åsbjörnsson: "Das ist alles nur eine Absichtserklärung. Und wenn ich es recht verstehe, ohne dass gleich Geld in die Kasse kommt."