Deutsche Gründer- und Unternehmertage

Vorbilder für angehende Firmenchefs

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Manuela Blisse

Was haben ein Computer und ein Bagel gemeinsam? Nichts? Von wegen! Wer auf der Suche nach einem Mac oder iPhone ist, schaut bei Gravis vorbei. Denkt man in Berlin an die Brötchen mit dem Loch in der Mitte, führt der Weg zu Barcomis.

Gegründet wurden beide Unternehmen von zwei Persönlichkeiten, die anfangs nur eine Idee hatten, inzwischen Chefs erfolgreicher Unternehmen sind: Archibald Horlitz und Cynthia Barcomi - beide werden auf der deGUT 2011 live vor Ort sein, ihre Erfolgsgeschichte vorstellen und Tipps zur Selbstständigkeit geben.

Von der "Studentenbude" zu 28 Filialen in Deutschland, 760 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 480 Millionen Euro, so könnte man die letzten 25 Jahre in Archibald Horlitzs Unternehmerleben zusammenfassen. Mitte der 80er-Jahre brachte ein Studienfreund von der Stanford-Universität in den USA einen der ersten Apple Macintosh mit in die Wohngemeinschaft von Horlitz. "Das war für mich die Initialzündung", erinnert sich der einstige Bergbauingenieurswesen-Student, "die damaligen Computer fand ich fürchterlich. Als ich den Macintosh mit seiner revolutionären Oberfläche und den Fenstern sah, die man öffnen und schließen konnte, wusste ich sofort, dass das die Zukunft des Computers ist." Durch Zufall erwarb er zehn Geräte der Mac-Produkteinführung, vermietete sie an andere Studenten der Technischen Universität Berlin. Das sprach sich herum, zahlte sich aber finanziell noch nicht aus. Dafür sorgte ein Apple-Drucker. Der heute 53-Jährige schaffte sich das für andere unerschwingliche 30 000-DM-Gerät an, druckte Uni-Arbeiten für rund 1,20 DM die Seite aus. Wenig später gründete er seine erste GmbH, gehörte schnell zu den Marktführern, "obwohl ich eigentlich alles falsch gemacht habe".

Wohl nicht, auch wenn ein Computerladen mit einer Kaffeebar damals ein gewöhnungsbedürftiges Novum war. Horlitz baute sein Geschäft kontinuierlich aus, entwickelte sein Konzept "Wir bieten keine Produkte sondern Lösungen an" systematisch weiter und hielt sich an Unternehmensprinzipien wie jenes, ausscheidende Mitarbeiter durch bessere zu ersetzen. "Man muss an die Idee glauben und sicher sein, dass sie umsetzungsfähig ist", rät er heute jungen Unternehmensgründern, "und man muss Durchhaltevermögen mitbringen, damit man emotional nicht untergeht, wenn es phasenweise nicht gut läuft - Unternehmertum ist bis zu einer gewissen Grenze auch Kampf."

All das rät auch Cynthia Barcomi (48), die kurz vor der deGUT die neueste Staffel der WDR-Backshow "Süß & lecker" abgedreht hat, Existenzgründern. Eigentlich kam die in Seattle geborene Amerikanerin als Tänzerin nach Berlin, war acht Jahre lang Mitglied einer freien Tanzgruppe. Ihr gefiel der hiesige Kaffee nicht, sie kannte die Top-Qualitäten von Plantagenkaffee aus ihrer Heimat. 1994 eröffnete sie das "Barcomis" in Kreuzberg, bis heute wird der Kaffee selber geröstet - damit unterscheidet sie sich von den danach entstandenen Coffeeshops. "Weil ich immer gerne gebacken habe, meine Gäste immer zu essen haben wollten und ich mit dem Vorurteil aufräumen wollte, dass US-Backwaren nicht gut sind, fing ich an, selbstgemachten New York Cheesecake und Bagels anzubieten", so Cynthia Barcomi. Diesem Konzept ist sie auch mit ihrem zweiten Café in Mitte bis heute treu geblieben.

Ein weiteres Café will die Mutter von vier Kindern nicht eröffnen, ihre Vision vom guten Kaffee und gutem Gebäck hat aber auch dazu geführt, dass sie inzwischen drei Backbücher geschrieben hat und Fernsehköchin ist. "Nur den Erfolg im Kopf zu haben funktioniert nicht, man muss einfach hart arbeiten", rät sie und wird das auch auf der deGUT Start-ups mit auf den Weg geben.