Versicherungen

Wenn Krankenkassen kuscheln

Mit Beginn des neuen Jahres entsteht ein neuer Krankenkassenriese: Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) fusioniert zum 1. Januar 2012 mit der BKK Gesundheit.

Die neue Kasse soll DAK-Gesundheit heißen, mit dann 6,6 Millionen Versicherten wird sie die drittgrößte Kasse Deutschlands sein, nach der aus der Fusion von Barmer Ersatzkasse und Gmünder Ersatzkasse entstandenen Barmer GEK (8,6 Mio. Versicherte) und der Techniker Krankenkasse (7,6 Mio. Versicherte). Für die Mitglieder von DAK und BKK Gesundheit ändert sich durch den Zusammenschluss zunächst nicht viel: Die Leistungen bleiben weitgehend identisch - und auch um den Zusatzbeitrag in Höhe von aktuell acht Euro im Monat, den beide Kassen zurzeit erheben, kommen die Versicherten nicht herum. Langfristig haben solche großen Fusionen dennoch Folgen.

Künftig weniger als 100 Kassen

Der Konzentrationsprozess ist eine Folge des Kostendrucks im Gesundheitssystem. Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland geht seit Jahren aufgrund von Zusammenschlüssen zurück, in diesem Jahr kam noch die Insolvenz der City BKK hinzu. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes, der die Interessen der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland vertritt, gibt es hierzulande noch 154 Krankenkassen - die angekündigte Fusion von DAK und BKK Gesundheit nicht eingerechnet. Im vergangenen Jahr existierten noch 160 Kassen, 2009 noch 202. Im Jahr 1994 gab es sogar noch 1152 Krankenkassen. Und die Zeit der Zusammenschlüsse ist noch längst nicht vorbei: Das Bundesversicherungsamt rechnet in etwa drei bis vier Jahren mit deutlich weniger als 100 gesetzlichen Kassen. Grund dafür ist der Gesundheitsfonds - dieser setzt die Rahmenbedingungen so, dass Krankenkassen größer und stärker am Markt werden müssen, um zu überleben.

Für die Versicherten sind die Fusionen zunächst einmal völlig unbedenklich. Der Wettbewerb wird dadurch nicht ausgehöhlt - in jeder Region gibt es immer noch genügend Auswahl an Kassen. Im Fall der Fusion von DAK und BKK Gesundheit behalten sogar die alten Chipkarten ihre Gültigkeit, betont DAK-Sprecher Jörg Bodanowitz. "Für die Kunden entsteht durch die Fusion kein Aufwand." Alle Behandlungen können ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Arbeitgeber, Rentenversicherung oder das Arbeitsamt erhalten automatisch eine Mitteilung über den Zusammenschluss.

"Der Zusammenschluss der größten Betriebskrankenkasse und der drittgrößten Ersatzkasse bündelt die Kompetenz und bringt für die Kunden deutliche Vorteile", so Thomas Bodmer, Vorstand der BKK Gesundheit. Die DAK-Gesundheit werde im Bereich der betrieblichen Gesundheitsangebote führend sein. "Bei der Behandlung vieler Krankheiten profitieren die Versicherten von einer Vielzahl medizinischer Spezialistennetzwerke."

Etwas nüchterner klingt die Einschätzung von Dörte Elß, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin. Am Umfang der Leistungen werde sich aber kaum etwas ändern, sagt sie. "Über 90 Prozent des Leistungskatalogs sind in der gesetzlichen Krankenversicherung ohnehin gleich. Sie sind gesetzlich vorgeschrieben." Auch der Beitrag bleibt gleich - für alle Kassen gilt ein einheitlicher Satz von 15,5 Prozent des Bruttolohns, wovon 7,3 Prozent auf den Arbeitgeber und 8,2 Prozent auf den Arbeitnehmer entfallen. Das wird sich auch im kommenden Jahr nicht ändern: Die Einnahmen der Krankenkassen würden in diesem und im kommenden Jahr relativ stabil bleiben, prognostiziert der sogenannte Schätzerkreis, bestehend aus Fachleuten des Gesundheitsministeriums, des Bundesversicherungsamts und der Krankenkassen. Für eine allgemeine Beitragserhöhung fehlt damit die Grundlage. Allerdings verlangen derzeit sowohl die DAK als auch die BKK Gesundheit jeweils acht Euro Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern. Diesen wird auch die neue DAK-Gesundheit erheben.

Kein Sonderkündigungsrecht

Ein Sonderkündigungsrecht für die Versicherten ergibt sich aus einer Kassenfusion nicht, so Verbraucherschützerin Elß. Ein solches Recht hätten Versicherte nur, wenn ein Zusatzbeitrag neu eingeführt oder erhöht würde. Wer aber seit mindestens 18 Monaten Mitglied seiner Krankenkasse ist, kann immer unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von zwei Monaten wechseln - eine Kündigung wird also zum übernächsten Monat hin wirksam. Wenn man aber über einen Wahltarif versichert ist und einen Selbstbehalt vereinbart hat, ist man seiner Kasse für mindestens drei Jahre zur Treue verpflichtet.

Wenn eine Kasse einen Zusatzbeitrag erheben oder den bestehenden erhöhen will, muss sie ihre Mitglieder spätestens einen Monat zuvor darüber informieren und auf das Sonderkündigungsrecht aufmerksam machen. So ist gesichert, dass bei einer fristgerechten Kündigung keine zusätzlichen Belastungen für den Versicherten anfallen. Dazu muss das Kündigungsschreiben spätestens an dem Tag bei der Krankenkasse eingehen, an dem der Zusatzbeitrag zum ersten Mal gezahlt werden müsste. Wirksam wird die Kündigung zwar erst im übernächsten Monat, die Zusatzbeiträge müssen in diesem Übergangszeitraum aber nicht gezahlt werden. Einige Krankenkassen verlangen den Zusatzbeitrag auch rückwirkend. Am Fälligkeitstermin werden dann auch Beiträge für vorangegangene Monate eingezogen. Wer jedoch sein Kündigungsrecht fristgerecht nutzt, muss aber auch in diesen Fällen keinen Zusatzbeitrag zahlen.

Ein Vorteil von Kassenfusionen: "Durch den Zusammenschluss können Versicherte beider Kassen von einem größeren Netz an Geschäftsstellen profitieren", heißt es bei der Stiftung Warentest. Mittelfristig profitieren die Verbraucher vor allem aber davon, dass durch die Zusammenschlüsse größere Kassen entstehen: Denn die größere Marktmacht erleichtert ihnen die Vertragsverhandlungen mit Krankenhäusern, Ärzten und Pharmaunternehmen - so lassen sich niedrigere Preise und ein besserer Service durchsetzen. Das ist auch das erklärte Ziel der Fusion von DAK und BKK Gesundheit. Zudem versprechen sich die beiden Partner durch den Zusammenschluss Synergieeffekte, etwa durch die Bündelung von Vertragsmanagement und Versorgungsangeboten. So sollen die Verwaltungskosten reduziert werden. Umgekehrt fördern die Kassenfusionen allerdings auch Zusammenschlüsse auf der Gegenseite. So entstehen schon jetzt Krankenhausketten und Ärztenetze.