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Facebook zögert Börsengang hinaus

Facebook, das weltgrößte Online-Netzwerk, wagt seinen Gang an die Börse offenbar erst Ende des kommenden Jahres. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wolle noch lang abwarten, damit sich die Mitarbeiter auf die Produktentwicklung statt auf Aktiengeschäfte konzentrieren, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.

Auch wenn die Schuldenkrise derzeit die globalen Finanzmärkte erschüttert - erst kürzlich legte Siemens den Börsengang für seine Tochterfirma Osram auf Eis - seien Verzögerungen bei Facebook keine Reaktion auf die Marktturbulenzen, so der Bericht.

Das Interesse für Zuckerbergs Börsengang ist seit Monaten riesig, obwohl Facebook diesen Schritt noch gar nicht offiziell angekündigt hat. Hintergrund sind amerikanische Bestimmungen, nach denen jede Firma mit mehr als 500 Teilhabern ihre Geschäftszahlen offenlegen muss. Mit der Beteiligung von Goldman Sachs hat Facebook diese Zahl nun überschritten, muss also ab dem ersten Quartal 2012 seine Ergebnisse veröffentlichen.

Deshalb wird allgemein erwartet, dass ein Börsengang des Erfolgsunternehmens auf diesen Zeitraum fällt. Später meldete die "New York Times", ebenfalls unter Berufung auf informierte Kreise, Facebook bleibe auf Kurs für einen Börsengang im ersten Halbjahr 2012. Dem Online-Netzwerk wird ein Unternehmenswert von 100 Milliarden Dollar zugetraut. Lange hatte die Plattform ein Quasimonopol inne, bekommt aber zunehmend Konkurrenz vom Netzwerk Google+.

Zuckerbergs Internetfirma ist damit höher bewertet als Deutsche Bank, Deutsche Post und Lufthansa zusammen. Weil diese spekulative Summe zu Beginn des Jahres schlagartig anstieg, warnten Experten bereits vor einer "Facebook-Blase", die an die teilweisen absurden Bewertungen aus dem Jahr 2001 erinnere. Damals platzte die sogenannte Dot-com-Blase, zahlreiche Internetunternehmen gingen pleite.

Berechnet man den Facebook-Wert heute anhand von auf dem Zweitmarkt gehandelten Mitarbeiteraktien, würde er bei 60 bis 70 Milliarden Dollar liegen. Gründer Zuckerberg wird jedoch nachgesagt, dass er die Kontrolle über sein Unternehmen nur ungern teilen würde. Er schlug in den Anfangsjahren Milliardenkaufangebote aus und hielt sich auch mit einem Börsengang zurück. Allerdings ist absehbar, dass die Unternehmensregeln die Firma letztlich an die Börse zwingen.

Ein weiteres Mal zeigte das Online-Netzwerk seinen Konkurrenten, wie leicht es deren Kernfunktionen weiterentwickeln und seinen Mitgliedern anbieten kann. Es können nun Nachrichten von Nutzern abboniert werden, ohne dafür mit diesen befreundet sein zu müssen - das Prinzip des Kurznachrichtendienstes Twitter. So seien Neuigkeiten von Künstlern oder Politikern besser zu verfolgen, schreibt Facebook in einem Blog-Eintrag. Dort kann man im Gegensatz zu Twitter auswählen, ob man alle Einträge eines Nutzers angezeigt bekommen möchte oder nur die wichtigsten. Erst Dienstag hatte Facebook den Vorstoß des Rivalen Google+ mit der Möglichkeit gekontert, seine Freunde besser zu sortieren. Bei Facebook sollen Listen mit Namen von Arbeitskollegen, Familienmitgliedern oder Mitschülern automatisch erstellt werden, ausgehend von Angaben, die sie selbst auf der Plattform gemacht haben. Damit zielt Facebook auf die Kernbotschaft des Google-Netzwerks, das sich damit abheben will, den Nutzern mehr Kontrolle darüber zu geben, wer Einträge sieht.