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Siemens verschiebt Börsengang von Osram auf bessere Zeiten

Siemens bekommt kalte Füße: Der Konzern verschiebt wie erwartet den ursprünglich für Herbst geplanten Börsengang seiner Leuchtmitteltochter Osram. Neben den Turbulenzen an den Börsen schreckt das Unternehmen auch eine drohende Konjunktureintrübung.

"In Anbetracht des hochvolatilen Umfeldes an den Kapitalmärkten und möglicher Wirkungen auf das Branchenumfeld soll Osram später an die Börse gebracht werden", teilte der Münchner Konzern am Mittwoch mit. Der Zeitpunkt der Aktienemission sei von der Stabilisierung der Marktverhältnisse abhängig.

Siemens plane nach wie vor, die Mehrheit an Osram abzugeben und als Ankeraktionär Miteigentümer zu bleiben, hieß es weiter. Bereits Anfang der Woche hatte sich abgezeichnet, dass Siemens den Zeitplan für eine der größten Aktienemissionen in den letzten Jahren aufgeben muss. In Finanz- und Branchenkreisen hatte es geheißen, angesichts des Absturzes an den Börsen sehe das Unternehmen keine Chancen mehr, in diesem Jahr genügend Investoren für die Aktien der Lichttechnikfirma zum gewünschten Preis zu finden.

Die kurzfristigen Geschäftsaussichten für Osram waren zuletzt unklar. Im vergangenen Quartal hatte der Leuchtmittelspezialist bereits leicht rückläufige Umsätze verzeichnet. Der Rivale Philips war in seinem Lampengeschäft bereits schwerer gebeutelt worden. Ende Juli hatte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser angekündigt, er werde die Börsenpläne nochmals überdenken, falls Osram am Beginn eines Branchenabschwungs stehe. Derzeit zeichnet sich ab, dass sich die Automobilindustrie als Großkunde auf eine Absatzstagnation einstellt. Von Analysten wurde Osram als Ganzes zuletzt auf fünf bis sieben Milliarden Euro geschätzt. Siemens will die Mehrheit an der Tochter loswerden, da es nicht mehr in das Geschäft investieren will. Unter Börsianern wurde der zweite große IPO-Rückzieher nach Evonik als eindeutiges Zeichen gewertet. "Nun ist genau das eingetreten, was in den letzten Tagen zu hören war. Aber es ist dennoch ein starkes Signal: Der IPO-Markt ist tot. Wenn es selbst eine Firma wie Siemens nicht schafft, dann kann es auch kein anderer", konstatierte ein Frankfurter Händler. Kaeser hatte im Sommer auch eine Abspaltung der Tochter ohne ein IPO als Plan B ins Spiel gebracht. Diese Erwägung wird Kennern zufolge derzeit allerdings noch nicht weiterverfolgt.

Das 1906 gegründete Unternehmen aus München gehört seit 1919 zum größten deutschen Elektrokonzern. Von der Wirtschafts- und Finanzkrise mit Gewinneinbruch, Abbau von Arbeitsplätzen und Kurzarbeit hatte sich das Unternehmen schnell erholt. Im vergangenen Jahr machte die Firma mit ihren rund 40 000 Mitarbeitern in 17 Ländern einen Umsatz von insgesamt 4,7 Milliarden Euro - fast 90 Prozent davon im Ausland. Vor Steuern und Zinsen blieb ein Gewinn von rund 570 Millionen Euro. Auch in Berlin spielt Osram mit knapp 2000 Mitarbeitern eine große Rolle und zählt zu den größten Arbeitgebern.

Ein relativ eigenständiges Leben als GmbH im Konzern führt Osram bereits seit 1956. Deshalb war schon öfter über einen Börsengang nachgedacht worden. Es sollte einer der größten seit dem Boomjahr 2000 werden, als Siemens seine damalige Halbleitertochter Infineon von der Leine ließ. Deren Aktien hatten damals mehr als fünf Milliarden Euro erlöst.

Der IPO-Markt ist tot. Wenn es selbst Siemens nicht schafft, dann kann es auch kein anderer

ein Frankfurter Händler