Marktbericht

Eine Marionette als Finanzminister?

Nando Sommerfeldt

Die Personalie wurde mit Spannung erwartet.

Wer würde wohl den Posten des japanischen Finanzministers im neuen Regierungskabinett bekommen? Denn es ist das mit Abstand schwierigste Amt im japanischen Kabinett: Der Ressortchef muss gegen eine Staatsverschuldung ankämpfen, die doppelt so hoch wie die Wirtschaftsleistung ist. Zugleich muss der Nordosten des Landes nach dem verheerenden Tsunami wiederaufgebaut werden. Auch der erstarkte Yen und die schnell alternde Bevölkerung sind Herausforderungen - von der seit Jahren anhaltenden Deflation ganz zu schweigen.

Aufgrund dieses Aufgabenfeldes kam es beinahe einer Sensation gleich, dass der neue japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda am Freitag einen nahezu unbekannten Abgeordneten zum neuen Finanzminister ernannte. Der neue Ressortchef wird der 49-jährige Jun Azumi - der bislang eher als Fernsehmoderater denn als Finanzfachmann glänzte.

Der gemeine Beobachter mag sich fragen: Warum geht Ministerpräsident Noda dieses Risiko ein? Doch auf den zweiten Blick erscheint sein Vorgehen durchaus logisch. Mit der Wahl erreicht Noda - der zuvor selbst Finanzminister war -, dass er die wirtschafts- und finanzpolitischen Entscheidungen künftig selbst treffen kann - ohne ernsthafte Gegenwehr seines Ministers fürchten zu müssen. Azumi wird deshalb schon jetzt als Nodas Marionette bezeichnet.