Stellenabbau

Neuer Kurs für Air Berlin

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Ernst August Ginten

Der neue Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn drückt aufs Tempo. Am ersten offiziellen Arbeitstag hat er sich mit einem internen Brief an die Belegschaft gewendet und darin erste Schritte für den Konzernumbau erläutert. Dabei schließt er auch einen Stellenabbau bei der anstehenden Restrukturierung des Unternehmens nicht aus.

In einem Schreiben an die knapp 9000 Mitarbeiter des Unternehmens versicherte er ihnen aber, "das Instrument des Stellenabbaus ... mit besonderer Sorgfalt und hoher Verantwortung" anzuwenden. Um die internen Wogen zu glätten, beantwortete Mehdorn in einer Videobotschaft im Intranet ausgewählte Fragen der Mitarbeiter, die diese im Laufe der vergangenen Woche eingereicht hatten. Dabei sagte Mehdorn, er werde nicht nur "drei Tage oder drei Monate" bei der Airline bleiben. Die Dauer seiner Amtszeit werde letztlich davon abhängen, wann ein geeigneter Nachfolger für die Position des Vorstandschefs gefunden sei.

Mehdorn ist bereits seit der Ausstiegsankündigung von Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold täglich viele Stunden im Unternehmen. Der neue Vorstand hat in Zusammenarbeit mit den Führungskräften bereits 35 Arbeitsgruppen eingesetzt, die alle Geschäftsabläufe auf den Prüfstand stellen sollen.

Klar ist bereits, dass im Rahmen des neuen Sparprogramms "Shape & Size" die Flotte von derzeit 171 Flugzeugen noch in diesem Jahr um acht Flugzeuge verkleinert werden soll. Rund 7500 Flüge sollen bis Ende 2011 wegfallen. Das entspricht etwa einer Million Sitzplätze, dahinter verbirgt sich die Zahl der Sitzplätze multipliziert mit der Zahl der Flüge. Mehrere Strecken im In- und Ausland werden eingestellt; darunter viele von kleinen Regionalflughäfen wie etwa Erfurt oder Münster/Osnabrück.

Aber selbst Hunold war bereits vor gut zwei Wochen klar, dass die geplanten Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen, "um ein positives operatives Ergebnis zum Jahresende zu erreichen". Mehdorn hat deshalb den Mitarbeiten an seinem ersten Arbeitstag bereits in einem zehn Punkte umfassenden Sofortprogramm, das der Berliner Morgenpost vorliegt, skizziert, wie es nun in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen wird.

Danach soll das Geschäftsmodell im "Hinblick auf die einzelnen Marktsegmente" überprüft und justiert werden. Damit ist gemeint, dass Mehdorn den Gemischtwarenladen Air Berlin mit seinen Geschäftsbereichen Langstrecke, Ferienfliegerei und Städteverbindungen mit Fokus auf Geschäftsleute auf den Prüfstand stellen wird. Dabei sollen die Netzgröße optimiert und der "Umfang einzelner Stationen" überprüft werden. Das heißt, dass vor allem kleine Flughäfen in ganz Europa mit der Abwanderung von Air Berlin rechnen müssen. Helfen sollen auch die Steigerung von Zusatzerlösen und die "Identifizierung von Einsparpotenzialen" in allen Unternehmensbereichen.

Ganz wichtig ist Mehdorn auch die "Sicherstellung des Oneworld-Beitritts". Der für 2012 geplante Flugallianz-Beitritt gilt als entscheidender Rettungsanker. Denn wenn die Berliner auf den neuen Großflughafen BBI umgezogen sind, könnten Langstreckenpassagiere künftiger Oneworld-Partner wie American Airlines von Air Berlin zu Zielen in ganz Europa weitertransportiert werden.

Mehdorn versuchte den Mitarbeitern zudem eine positive Perspektive aufzuzeigen: "Wir sind weder ein Krisen- noch ein Katastrophenfall." Die Air Berlin habe das Potenzial, sich zügig und entschlossen dem geänderten Umfeld anzupassen.