Konjunktur

Trotz Euro-Krise bleiben die Unternehmer optimistisch

Trotz Euro-Schuldenkrise und Turbulenzen an den Börsen glauben Experten noch nicht an ein Ende des deutschen Wirtschaftsaufschwungs. "Ich gehe davon aus, dass wir für das Gesamtjahr ein Wachstum von mehr als drei Prozent verzeichnen werden", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dem "Hamburger Abendblatt".

"Unsere Konjunkturdaten zeigen, dass wichtige Wirtschaftszweige - die Automobil- und Zulieferindustrie, der Maschinenbau und die chemische Industrie - stark bleiben", betonte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Die Dynamik der deutschen Wirtschaft hatte sich im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt, das Wachstum lag im Vergleich zum Jahresanfang (1,3 Prozent) nur noch bei 0,1 Prozent. Volkswirte hatten ein Plus von bis zu 0,5 Prozent erwartet. Als Gründe gelten die Schuldenkrise im Euro-Raum und die schwache US-Konjunktur.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibe die Lage aber weiter entspannt, betonte Hundt. "Wir werden in diesem Jahr deutlich unter drei Millionen (Arbeitslosen) bleiben." Für 2012 halte er es sogar für denkbar, dass die Arbeitslosenzahl vorübergehend auf 2,6 Millionen sinkt - wenn die Konjunktur stabil bleibt.

Dieser Einschätzung schließt sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) an. "Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass es weiter Risiken für den Arbeitsmarkt gibt. Wir bleiben aber bei unserer Einschätzung, dass sich der Arbeitsmarkt dieses und nächstes Jahr günstig entwickelt", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Die Exportaussichten der Industrie seien weiter gut, die Binnenkonjunktur stabil und die Unternehmen dadurch weiterhin bereit, neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Zwar werde sich der Job-Aufschwung 2012 nicht mehr im bisherigen Tempo fortsetzen. "Wir sehen aber auch nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten derzeit keinen Anlass, von unserem bisherigen Korridor für nächstes Jahr abzuweichen", sagte Weise. Danach würde die Arbeitslosigkeit im Durchschnitt auf 2,7 Millionen sinken - das wären im Jahresschnitt rund 200 000 weniger Jobsucher als 2011. Was dem Arbeitsmarkt neben der guten Konjunktur helfe, sei die wachsende Sorge vieler Unternehmen vor einem Fachkräftemangel. Jeder Firmenchef sei bestrebt, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

Positiv dürfte sich auch die Auftragslage in zwei wichtigen Branchen auswirken. Die Autoindustrie hat volle Bücher, und der Bau profitiert von stark steigenden Baugenehmigungen.

Aus Sicht des Einzelhandels lassen sich die Verbraucher durch die Börsenkrise nicht vom Geldausgeben abhalten. "Die deutschen Konsumenten trotzen bisher allen Krisen, ihre Kauflaune ist stabil. Daher rechnen wir im Einzelhandel weiterhin mit einem Wachstum von rund 1,5 Prozent für das Gesamtjahr 2011", sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE).

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat auch die Energiewende der Bundesregierung die Konjunktur im zweiten Quartal gebremst. Die Energieerzeugung sei durch das Atom-Moratorium auf den tiefsten Wert seit 1991 gefallen, geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes und des Ifo-Instituts hervor. Das Stilllegen der sieben Atommeiler habe das Wachstum nach Ifo-Schätzungen im zweiten Quartal von 0,3 Prozent auf 0,1 Prozent gedrückt.