Arztlotse

Internet-Zensuren für Mediziner

Freundliche Hausärztin, kompetenter Onkologe, HNO-Experte mit Zusatzqualifikation in Akupunktur: Mit dem neuen "Arztlotsen" der Ersatzkassen ist am Freitag ein weiteres Internetportal für die Suche nach dem besten Mediziner an den Start gegangen.

Dabei verspricht das neue Angebot nicht nur einen Überblick über Qualifikationen und Standorte, sondern erlaubt den Patienten auch Bewertungen und Kommentare (http://vdek-arztlotse.de) Genau das halten andere Anbieter für falsch. Und auch vom Hausärzteverband kommt Kritik.

Mit der neuen Internetseite solle dem zunehmenden Bedürfnis der Patienten nach Rat und Unterstützung Rechnung getragen werden, sagte Ersatzkassen-Verbandschef Thomas Ballast. "Immer mehr Versicherte suchen sich ihren Arzt online und erwarten Informationsangebote von ihren Krankenkassen. Diesem Bedürfnis wollen wir mit einem nichtkommerziellen Informationsportal gerecht werden."

Das Angebot erlaubt den Zugriff auf 240 000 Adress- und Strukturdaten zu Arztpraxen, Zahnärzten, Psychotherapeuten und Notfallambulanzen in ganz Deutschland. Diese hatte die Stiftung Gesundheit seit 1997 für eigene Informationsangebote zusammengetragen und liefert sie nun als Partner des Verbands VDEK Gezeigt werden Qualifikation und Spezialisierung des Arztes sowie Öffnungszeiten und zusätzliche Angebote wie Abendsprechstunden oder Hausbesuche. Die Suche ergibt eine Liste nach Entfernung der Praxis vom gewünschten Standort, aber keine Rangliste nach Qualität. Doch kann jeder - ohne zusätzliche Registrierung auf dem Portal - Bewertungen nach einem Schulnotensystem abgeben und auch freie Kommentare zu einzelnen Ärzten vermerken. Dort stehen dann zum Beispiel Notizen wie: "Das Personal wirkt auf mich oft überfordert und ist teilweise unfreundlich." Oder: "Die Ärztin ist professionell und freundlich, aber die Wartezeit liegt immer bei ein bis zwei Stunden selbst mit Termin."

Solche Informationen gebe es bei vergleichbaren nichtkommerziellen Portalen so noch nicht, sagte die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner bei der Vorstellung des Portals. Sie wisse aus ihrer Arbeit, dass Kranke oft sehr spezielle Bedürfnisse hätten und großer Bedarf an Empfehlungen bestehe. Die Kommentare anderer Patienten könnten entscheidende Hinweise liefern. "Aus Patientensicht ist das für uns ein Segen", sagte Stötzner. Andere Anbieter haben auf die Kommentarfunktion dagegen bewusst verzichtet - darunter vor allem die AOK-"Arztnavigator". Dieser war vor einigen Monaten ebenfalls mit dem Anspruch an den Start gegangen, sich von kommerziellen Anbietern und von "elektronischen Prangern" abzuheben. Kommentare seien oft unsachlich und enthielten "Schmähkritik", so die AOK damals. Gegen Beschimpfungen und Miesmachereien will aber auch der VDEK vorgehen. Jeder Kommentar soll von einer Redaktion geprüft werde. Rund zehn Prozent der Wertungen würden aussortiert, sagte die Projektverantwortliche Ulrike Elsner. Ärzteverbände sehen Ranglisten und Qualitätsbewertungen im Internet seit jeher kritisch.

Hinter dem Arztlotsen stehen die Techniker Krankenkasse, die Deutsche Angestellten-Krankenkasse, die KKH-Allianz, die HEK - Hanseatische Krankenkasse und die HKK. Die größte deutsche Ersatzkasse, die Barmer GEK, macht dagegen beim AOK- "Arztnavigator" mit.