Massenpartys

Facebook als Party-Schreck

Facebook gerät wegen der Massenpartys, zu denen sich Nutzer über die Plattform verabredet hatten, unter Druck.

Bevor die Innenministerkonferenz (IMK) im Herbst über politische und rechtliche Lösungen für das Problem der Facebook-Partys beraten wird, hat sich das soziale Netzwerk vorab mit Behörden und Kommunen beraten und geht nun selbst in die Offensive. Mit einer neuen Funktion sollen zumindest versehentliche Masseneinladungen vermieden werden.

Seit dieser Woche werden Minderjährige, die auf Facebook zu einer Veranstaltung einladen, mit Warnhinweisen ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass die Ankündigung nicht nur an die privaten Freunde hinausgeht, sondern als öffentliche Veranstaltung für Tausende Nutzer sichtbar wird. Wer bei der Gästeauswahl das Feld "Jeder kann die Veranstaltung sehen und für sie zu- oder absagen" anklickt, erhält den gelb eingefärbten Hinweis "Du bist dabei eine öffentliche Veranstaltung zu erstellen. Alle Internetnutzer können die Details deiner Veranstaltung sehen". Facebook will damit Jugendlichen den Ablauf und die Tragweite der Einladung zu einer Veranstaltung verdeutlichen. Die Neuerung gilt zunächst versuchsweise. "Wir werden die Auswirkungen des zusätzlichen Hinweises auswerten", heißt es bei Facebook.

Es sollen zumindest Massenpartys wie die der 16-jährigen Tessa in Hamburg verhindert werden, die im Juni eine ganze Welle von Veranstaltungen ausgelöst hatte. Als das Mädchen ihre Geburtstagseinladung durch einen falschen Klick nicht nur für Freunde, sondern für die gesamte Facebook-Community freigab, also potenziell für 750 Millionen Nutzer, fielen 1600 überwiegend jugendliche Gäste im beschaulichen Hamburger Stadtteil Bramfeld ein, trampelten Vorgärten nieder und legten beinahe das ganze Viertel lahm. Die Polizei rückte mit einer Reiterstaffel an.

Seitdem vergeht kaum ein Tag ohne eine Facebook-Party, die aus dem Ruder läuft. Zur bisher größten Spaßveranstaltung kamen im Juli 2000 feierfreudige Jugendliche ins saarländische Eusweiler. Der Abend endete mit 69 Festnahmen, drei verletzten Polizisten, Einsatzkosten von mehr als 100 000 Euro und erheblichen Sachschäden.

Die Politik attestiert Facebook zumindest guten Willen, wie beispielsweise Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD): "Wir finden es gut, wenn Facebook das seine tut, um Auswüchse zu verhindern", heißt es aus dem Rathaus der Hansestadt. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass der neue Warnhinweis den Massenfesten tatsächlich ein Ende setzen wird. Denn die meisten Nachahmer von Tessa behaupten zwar anschließend, sie hätten nur versehentlich alle Facebook-Teilnehmer zu ihren Veranstaltungen eingeladen. Viele von ihnen inszenieren die "Spaßpartys" aber tatsächlich in voller Absicht. Sie dürften sich durch den Warnhinweis auf Facebook kaum hindern lassen. Immerhin wäre dann die Absicht nachweisbar.

Facebook hat nach Gesprächen mit örtlichen Behörden, Politikern und der Polizei in den vergangenen Wochen nun eine Empfehlung an die Behörden: Es sei "hilfreich", wenn diese den Organisator einer derartigen Veranstaltung direkt kontaktierten, um ihn auf die Risiken hinzuweisen und ihm mitzuteilen, was passieren kann, wenn die Veranstaltung trotzdem stattfindet. Dieser Kontakt müsse aber per Facebook erfolgen, heißt es, so die Empfehlung des Internetunternehmens.