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Stahlwerke in Übersee bremsen ThyssenKrupp

Für den neuen ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger werden die von seinem Vorgänger übernommenen Stahlwerke in Übersee zum Klotz am Bein. In neun Monaten fuhr die amerikanische Stahlsparte einen Verlust von knapp 900 Millionen Euro ein, wie ThyssenKrupp am Freitag mitteilte.

Während das europäische Stahlgeschäft mit den traditionsreichen Standorten im Ruhrgebiet dank der Nachfrage von Autoindustrie und Maschinenbau brummt, kämpft der Konzern bei seinen Werken in den USA und Brasilien mit anhaltenden Verlusten. Einige Analysten zweifeln daran, ob ThyssenKrupp dort den Verlust im laufenden Geschäftsjahr 2010/11 wie gehofft noch unter einer Milliarde Euro halten kann.

Hiesinger hatte den Mischkonzern mit rund 180 000 Mitarbeitern Ende Januar vom langjährigen Vorstandschef Ekkehard Schulz übernommen. Dieser hatte den Bau der Anlagen in Übersee vorangetrieben, nachdem er bei der Übernahme des kanadischen Konkurrenten Dofasco den Kürzeren gezogen hatte. Doch die Kosten explodierten: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres schrieb die SparteSteel Americas einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 887 Millionen Euro. Wann Steel Americas schwarze Zahlen schreibt, lässt Hiesinger offen.

"Alle Business Areas, mit Ausnahme von Steel Americas, leisten in den ersten neun Monaten einen deutlich positiven Ergebnisbeitrag", erklärte der Konzern. Die Verluste in Amerika seien aber beträchtlich zurückgefahren geworden. Nach einem Minus von 378 Millionen Euro im ersten Quartal sei es nun noch etwa die Hälfte gewesen. "Das ist immer noch mehr als erwartet", erklärten Analysten. Die Aktie gab zeitweise zwei Prozent nach. Der Verlust in Übersee schlägt auf den Konzern durch. Das Ebit im dritten Quartal kletterte zwar um neun Prozent auf 545 Millionen Euro. Analysten hatten aber im Schnitt mit fast 30 Millionen Euro mehr gerechnet. Der Überschuss nach Anteilen Dritter fiel sogar um 22 Prozent auf 212 Millionen Euro. Umsatz und Auftragseingang erreichten hingegen mit knapp 13 und über 14 Milliarden Euro die höchsten Werte seit über zwei Jahren.

Die europäische Stahlsparte konnte ihren operativen Gewinn auf 322 (Vorjahr: 218) Millionen Euro verbessern und liegt damit im Branchentrend. Der Konkurrent Salzgitter hatte am Donnerstag seine Prognose erhöht. Auch Weltmarktführer ArcelorMittal hatte sich jüngst zuversichtlich zur weiteren Stahlnachfrage geäußert. Hiesinger will den größten deutschen Stahlkonzern stärker auf das Technologiegeschäft etwa mit Aufzügen und Anlagen ausrichten.