Internet

Google macht sein soziales Netzwerk zum Spielplatz

Google baut sein soziales Netzwerk Google+ weiter aus und bietet ab sofort auch Spiele an. Damit verschärft der Suchmaschinen-Konzern den Konkurrenzkampf mit Facebook. Spiele gehören bei Facebook zu den beliebtesten Anwendungen. Nach Angaben des Unternehmens spielen jeden Monat mehr als 200 Millionen Mitglieder auf der Plattform.

Facebook versucht auf diese Weise, die Verweildauer und den Verkehr auf seinem Netzwerk zu erhöhen.

Zum Start bietet Google+ 16 Titel an. Mit "Angry Birds" von Rovio ist zu Beginn auch eines der derzeit erfolgreichsten Spiele dabei. Aber auch die Titel "Zynga Poker", "Bejeweled Blitz" von PopCap Games und "Bubble Island" können künftig auf Google+ gespielt werden. Auf die erfolgreichen Zynga-Titel "Cityville", "FarmVille" and "Mafia Wars" muss Google verzichten, weil sie exklusiv bei Facebook eingebunden sind. Aber der Berliner Entwickler Wooga hat seine drei reichweitenstärksten Spiele "Diamond Dash", "Bubble Island" und "Monster World" auf Google+ gestellt. Auf Facebook haben sie im vergangenen Monat rund 27 Millionen Nutzer gespielt, mit 34 Millionen aktiven Nutzern ist Wooga nach Zynga der zweitgrößte Anbieter von Facebook-Spielen.

Im Unterschied zu Facebook will Google die Spiele weniger aufdringlich präsentieren. Facebook-Mitglieder haben sich immer wieder darüber beschwert, dass die Spielstände von Freunden in ihrem Nachrichten-Stream auftauchen und ihn damit unübersichtlicher machen. Bei Google soll dies in einer eigenen Rubrik geschehen, so dass der normale Mitteilungs-Stream davon nicht betroffen ist. "Wer sich nicht für Spiele interessiert, kann sie leicht ignorieren", schreibt Google-Manager Vic Gundotra im Unternehmensblog.

Spiele in sozialen Netzwerken werden zunehmend beliebter. Nach einer Studie des Hightech-Verbandes Bitkom wählt inzwischen jeder vierte Computerspieler diese Gelegenheitsspiele. Der Anteil habe sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Der Spieleentwickler Zynga, an dem auch Google beteiligt ist, hat seinen Aufstieg fast ausschließlich Facebook zu verdanken - und ist damit auch weitgehend abhängig von Facebook. Zynga-Umsatz 2010: Fast 600 Mio. Dollar.

Meist sind die Spiele kostenlos, allerdings können virtuelle Güter hinzugekauft werden. Immer mehr Spieleentwickler steigen auf dieses Geschäftsmodell um. Facebook nimmt sich von diesen Einnahmen einen Anteil von 30 Prozent, weil es die Anbieter zwingt, Zahlungstransfers über den hauseigenen Abrechnungsdienst Facebook Credits abzuwickeln. Google will von Spieleentwicklern nur fünf Prozent verlangen.

Für den Suchmaschinenkonzern ist Google+ derzeit eines der wichtigsten strategischen Projekte. Google reagiert damit auf verändertes Nutzerverhalten. Inzwischen greifen immer mehr Nutzer auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten in sozialen Netzwerken zurück. Viele Webseiten bekommen heute einen Großteil ihrer Besucher über Plattformen wie Facebook und Twitter.