Scharfe Kritik an E.on-Kahlschlag

Beim Energiekonzern E.on formiert sich Widerstand gegen den geplanten Stellenabbau von 11 000 Jobs. Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer sprach in Düsseldorf von einer "Kampfansage" des Managements an die Mitarbeiter. Die Tatsache, dass E.on-Chef Johannes Teyssen betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließe und die Verhandlungen mit den Sozialpartnern möglichst kurz halten wolle, belaste die Gespräche mit dem Betriebsrat von Anfang an, sagte Prüfer.

In der Konzernzentrale in Düsseldorf trafen sich der Konzernbetriebsrat und Gewerkschaftsvertreter sowie SPD-Chef Sigmar Gabriel, um über eine Abwehrstrategie gegen die Stellenabbaupläne zu beraten. Gabriel attackierte das Management scharf. Durch Fehlplanungen habe das Unternehmen in der Vergangenheit mehr als 20 Milliarden Euro verloren. Das Geld fehle jetzt für notwendige Investitionen in neue Geschäftsfelder wie Energieeffizienz, Gaskraftwerke oder Kraftwärmekopplung, sagte Gabriel. Solche Fehlentscheidungen der Unternehmensspitze dürften nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Gabriel hatte an der Betriebsratssitzung als Gast teilgenommen. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) zeigte sich nach der Sitzung optimistisch. Er sei "guten Mutes", dass die Probleme bei dem Energiekonzern überwunden werden können, sagte Schneider. E.on wanke nicht und sei auch kein Sanierungsfall, sagte Schneider.

Ver.di-Vorstandsmitglied Erhard Ott forderte eine Ausweitung des Kündigungsschutzes bei E.on auf alle Mitarbeiter. Bisher seien nur die Beschäftigten des Konzernteils E.on Energie - etwa die Hälfte der Belegschaft von insgesamt rund 80 000 Mitarbeitern - bis Ende 2012 durch eine Vereinbarung geschützt. "Das müssen wir auf die gesamte Belegschaft ausdehnen", sagte Ott. Laut Ver.di entfällt mehr als die Hälfte der drohenden Streichungen auf Deutschland. Die Gewerkschaft hatte bereits Widerstand gegen massive Einsparungen beim Personal angekündigt. Nach Angaben der Gewerkschaft sind etwa 6000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Konzernchef Johannes Teyssen hatte demgegenüber stets betont, die Details des geplanten Stellenabbaus stünden noch nicht fest, Entscheidungen dazu würden im Oktober getroffen.

Informationen über den Stellenabbau gab es von Konzernseite auch am Freitag zunächst nicht. Die Gewerkschaft rechnet damit, dass in Bayern bis zu 2000 Arbeitsplätze betroffen sein könnten, wie der bei Ver.di zuständige E.on-Betreuer Jürgen Feuchtmann sagte. Im Freistaat arbeiten für E.on mehr als 8000 Menschen, darunter etwa 400 in der Münchner Zentrale der Konzern-Tochter E.on Energie. Diese soll laut Ver.di geschlossen werden.

CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber forderte die bayerische Landesregierung auf, frühere Zusagen des Energiekonzerns E.on für den Standort durchzusetzen. Notfalls müsse Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) seinen "guten Draht" zu E.on-Chef Johannes Teyssen aktivieren, sagte der frühere CSU-Chef. Huber verwies auf einen Vertrag mit den Vorgängerunternehmen Viag und Veba aus dem Jahre 2000 mit Garantien für Bayern. Sie betrafen Arbeitsplätze und Einrichtungen.

E.on stritt auf Nachfrage allerdings ab, dass es vertragliche Garantien für München gebe. "Wir gehen davon aus, dass möglichen Maßnahmen keine vertraglichen Vereinbarungen mit dem Freistaat Bayern entgegenstehen", sagte ein Konzernsprecher der "Berliner Morgenpost".

Der E.on-Konzern war im Jahr 2000 durch den Zusammenschluss des bayerischen Mischkonzerns Viag mit seiner Energietochter Bayernwerk und der norddeutschen Veba (PreussenElektra) entstanden. Bei der Fusion hatte der Freistaat Bayern seine zehnprozentige Viag-Beteiligung eingebracht. Dass der Kaufvertrag Standortgarantien für München beinhaltet, wie Huber jetzt behauptet, konnte bis dato noch nicht nachgewiesen werden.

Einschnitte soll es auch in Essen bei E.on-Ruhrgas geben. Die Aufgaben der Tochter sollen laut Berichten der "WAZ"-Mediengruppe auf den Gashandel beschränkt werden. Der Bereich Exploration und Förderung mit rund 200 Mitarbeitern solle aufgegeben werden, berichtete sie unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Der Gashandel, der derzeit im Düsseldorfer Konzern und bei Ruhrgas betrieben wird, werde zusammengelegt. Zudem erwägt die E.on-Führung nach den Informationen den Verkauf der in Essen ansässigen Gasnetz-Gesellschaft Open Grid Europe mit rund 1800 Mitarbeitern.

E.on-Chef Johannes Teyssen besuchte am Freitag auch den Konzernstandort im niedersächsischen Hannover. "Ich will die Mitarbeiter persönlich informieren", sagte Teyssen nach seiner Ankunft vor der dortigen Betriebsversammlung. Am Standort Hannover ist in erster Linie die Kraftwerksparte des Konzerns mit rund 1000 Mitarbeitern angesiedelt. Klarheit über zumindest erste Eckpunkte der nun geplanten Stellenstreichungen gab es allerdings noch nicht.