Kriminalität

Kartellamts-Razzia: Matratzenbranche gerät in Aufruhr

Das Bundeskartellamt bringt Deutschlands Matratzenhersteller- und Händler um den Schlaf: Wegen des Verdachts der Preisabsprache hat es in dieser Woche an neun Standorten in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg Razzien gegeben.

Es bestehe zudem der Verdacht, dass die Hersteller Händlern Nachteile angedroht oder zugefügt hätten oder Vorteile versprochen oder gewährt hätten, um sie zur Einhaltung bestimmter Mindestpreise beim Weiterverkauf von Matratzen anzuhalten, teilte das Bundeskartellamt am Freitag in Bonn mit.

Das "Handelsblatt" berichtete, die gesamte Matratzenbranche sei wegen der Razzien in Aufruhr. Viele Firmen seien von den Durchsuchungen vollkommen überrascht worden. Auf Anfrage der Zeitung bestätigten die Hersteller Malie, Tempur, Fey&Co und Schlaraffia die Durchsuchungen.

In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Essener Fachverbandes Matratzenindustrie etwa 40 Hersteller, die wesentliche Bedeutung am Markt haben. Hinzu kommt aber noch eine Vielzahl kleinerer Hersteller, die sich spezialisiert haben und die auch nicht zu vernachlässigen sind. Kauf- und Möbelhäuser ordern ihre Matratzen in der Regel über zentrale Einkaufsverbände. Der Einfluss dieser Verbände auf den Markt kann nach Expertenmeinung gewaltig sein, denn die großen unter ihnen beliefern durchaus bis an die 30 Möbelhäuser. Dann gibt es noch die Matratzenmärkte, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren in allen Städten und Gemeinden entstanden sind.

Nicht bekannt ist, wie viele Matratzen in Deutschland im Jahr über den Ladentisch gehen. Gesundheitsexperten raten, die Matratze alle sieben bis acht Jahre zu erneuern. Legte man zehn Jahre zugrunde, so würden bei 80 Millionen Einwohnern pro Jahr rund acht Millionen neue Matratzen benötigt. Umfragen haben allerdings ergeben, dass die Deutschen im Schnitt zwölf bis 15 Jahre auf derselben Unterlage schlummern.