Britische Großbank HSBC

Als Dank gibt es Massenentlassungen

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Die britische Großbank HSBC tritt mit Wucht auf die Kostenbremse und streicht trotz eines Milliardengewinns jede zehnte Stelle. Konzernchef Stuart Gulliver kündigte am Montag den Abbau von insgesamt 30 000 Arbeitsplätzen weltweit an, um die Wettbewerbsfähigkeit des größten europäischen Geldhauses zu verbessern.

Das Institut legt damit zugleich eine Kehrtwende ein und zieht sich in fast 40 Ländern wieder aus dem Privatkundengeschäft zurück. Der Bank war vorgehalten worden, im Stil eines Eroberers vor allem darauf aus zu sein, in jedem Winkel dieser Erde seine Flagge aufzupflanzen. Mit dem Ausstieg aus Geschäftsbereichen in den USA sowie Lateinamerika seien bereits 5000 Stellen weggefallen. "Bis Ende 2013 sollen 25 000 weitere folgen", erklärte Gulliver während einer Analystenkonferenz. Die Gewerkschaft Unite kritisierte die Pläne heftig. "Die Bank legt einen hohen Gewinn von sieben Milliarden Pfund vor und gleichzeitig sehen sich die Mitarbeiter einer unsicheren Zukunft ausgesetzt, weil das Management seine brutale Restrukturierung vorantreibt", schimpfte Unite-Vertreter David Fleming. Investoren honorierten die Entlassungswelle dagegen mit Aktienkäufen. Das HSBC-Papier legte in London rund fünf Prozent zu und zählte zu den größten Gewinnern im FTSE-100-Index.

Die deutschen Mitarbeiter des britischen Instituts müssen nicht um ihre Arbeitsplätze bangen. Unter den 2500 Mitarbeitern von HSBC Trinkaus seien keine Stellenstreichungen geplant, sagte Gulliver. Das Geldhaus bleibe in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone auf Expansionskurs. "Wir schauen uns Teile der WestLB an", bekräftigte er. Dabei gehe es um das Mittelstandsgeschäft, das leicht von der ebenfalls in Düsseldorf ansässigen Tochter mitgeführt werden könne. Trinkaus-Chef Andreas Schmitz hatte im Mai Interesse an Teilen der WestLB signalisiert, Einzelheiten aber offen gelassen. Gulliver sagte, die WestLB-Sparte sei in Europa derzeit das einzige Übernahmeziel für HSBC. "Richtig große Akquisitionen sind nach der Krise eigentlich nicht mehr zu machen", betonte er.

Der Sparkurs des Instituts trägt bereits erste Früchte: Für das erste Halbjahr wies HSBC überraschend einen Gewinnanstieg auf 11,5 Milliarden Dollar nach 11,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum aus. Die Großbank profitierte dabei von einer um 30 Prozent gesunkenen Vorsorge für faule Kredite. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 10,9 Milliarden Dollar gerechnet. HSBC erklärte indes, es gebe Risiken für die weltweite Konjunkturerholung durch die stärkere Regulierung in Großbritannien. HSBC ist die erste der großen britischen Banken, die mit ihre Quartalsbilanz vorlegte.

Gulliver hat das Ruder zu Jahresbeginn übernommen und angekündigt, die zuletzt deutlich gestiegenen Kosten zu senken und wieder mehr Wachstum zu erzeugen. Als Teil der Strategie will sich das Kreditinstitut stärker auf das ertragreiche Asien-Geschäft besinnen. Erst am Sonntag hatte die Bank mitgeteilt, 195 Filialen in den USA für rund eine Milliarde Dollar in bar zu verkaufen. Auch soll das US-Kreditkarten-Portfolio abgespeckt werden.

Auch bei anderen großen Banken stehen Tausende Jobs auf der Kippe. Die Schweizer UBS hat bereits ein massives Abbauprogramm angekündigt, auch beim Rivalen Credit Suisse fallen 2000 Stellen weg. Die führende US-Investmentbank Goldman Sachs streicht 1000 Jobs. Die europäische Schuldenkrise nagt an den einst guten Geschäften der Branche mit festverzinslichen Papieren.