Hedgefonds-Manager Kiener verurteilt

Elf Jahre Haft für "deutschen Madoff"

Der Aschaffenburger Hedgefonds-Manager Helmut Kiener muss für knapp elf Jahre ins Gefängnis: Die 5. Strafkammer des Würzburger Landgerichts sprach den 52-Jährigen am Freitag in zehn Fällen des besonders schweren Betrugs, wegen fünffacher Steuerhinterziehung und in 86 Fällen der gewerbsmäßigen Urkundenfälschung schuldig.

Der Schaden wird auf rund 300 Millionen Euro beziffert. Kiener wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren und acht Monaten verurteilt.

"Nichts Gutes" erwarte er, hatte Kiener kurz vor der Urteilsverkündung vor laufenden TV-Kameras gesagt. Gut eine Stunde später, nach der Verkündung des Urteils durch den Vorsitzenden Richter Volker Zimmermann, war der 52-Jährige überraschend gut gelaunt: "Ich bin mit dem Urteil zufrieden", sagte er und gratulierte seinen Verteidigern. Die Anklage hatte dem 52-Jährigen zur Last gelegt, von Anfang 2006 bis Oktober 2009 durch Manipulationen an seinen auf den britischen Jungferninseln beheimateten Hedgefonds "K1 Global" und "K1 Invest" knapp 5000 Anleger und drei internationale Großbanken um 345 Millionen Euro gebracht zu haben. Ein Teil der Anklagevorwürfe wurde im Verlauf des fast fünfmonatigen Prozesses eingestellt. Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zwölf Jahre und neun Monate Gefängnis gefordert hatte.

Kiener habe im Ausland ein von Anfang an systematisch auf Betrug angelegtes "gigantisches Schneeballsystem" aufgebaut, nachdem ihm die deutsche Finanzaufsicht untersagt hatte, seinen Geschäften hierzulande nachzugehen, so die Staatsanwaltschaft. Diese Vorwürfe sah die Strafkammer als erwiesen an. Um die Gewinne früherer Anleger auszahlen und Provisionen und Management-Gebühren kassieren zu können, mussten weitere Investoren geworben werden. "Das System war auf Neuanlagen angewiesen", so der Richter.

Das Gericht wertete vor allem Kieners umfassendes Geständnis als strafmildernd. Er habe so zur Aufklärung des komplexen "Betrugssystems Kiener" beigetragen und damit den Prozess stark abgekürzt. Auch dass er bislang nicht vorbestraft war, wertete das Gericht als strafmildernd. Kiener hatte gestanden, Verluste verschleiert und den Wert seiner Fonds durch gefälschte Kontoauszüge und Finanz-Statements manipuliert zu haben - auch, um sich seinen luxuriösen Lebenswandel zu finanzieren. Der 52-Jährige schaffte es, mehrere Banken von Investitionen in seine Produkte zu überzeugen und verschaffte sich so neues Kapital für die Fonds und den Kauf einer Villa in Florida und mehrerer Flugzeuge.

Besonders schwer wurde ihm das nicht gemacht. "Das Verhalten der Banken kann man durchaus kritisch sehen. Kontrollen wurden jedenfalls nicht optimal durchgeführt", sagte Richter Zimmermann. "Unverzeihlich" sei es, was er getan habe, sagte der studierte Psychologe Kiener nach der Urteilsverkündung. "Im Laufe der Zeit muss sich bei mir eine Persönlichkeitsstörung entwickelt haben". Falls er "jemals wieder auf die Beine komme", wolle er die Anleger entschädigen.

Ein Mittäter, der 43-jährige Rechtsanwalt Claus Z., wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Oberstaatsanwalt Burkhard Pöpperl ist "vom Grundsatz her mit dem Urteil zufrieden", erklärte aber zunächst keinen Rechtsmittelverzicht.